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Not so Pro

Was ist denn da los bei Apple?

Erst die Nummer mit dem halbwarmen Aufguss des iPhones ohne Klinkenstecker, bei dem die Presse einen Tag nach dem Release schon mehr über das iPhone 8 statt das vorgestellte Gerät geredet hat. Die schnurlosen Earbuds hat man gerade erst auf unbestimmte Zeit nach hinten verschoben, weil sie noch nicht die Qualitätsansprüche erfüllen. Mit Kabel wäre das wahrscheinlich nicht passiert. Und dann stellt man das langerwartet Update des tragbaren Arbeitstiers MacBook Pro vor und ich werde das Gefühl nicht los, dass man sich immer weiter von „Pro“ entfernt.

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Anschlüsse hat das Gerät noch genau fünf (außer der 13″ Sparversion, die hat drei). Vier davon sind USB-C und eine Kopfhörer. Magsafe-Ladebuchse? Weg, jetzt über USB-C. Ich möchte nicht wissen, wie vielen Leuten, das Magsafe-System schon den Arsch gerettet hat weil es eben nicht fest im Gerät steckt. Und natürlich ist USB-C kleiner und idiotensicherer. Aber, wie man bei heise so schön schrieb: Ohne Adapter kann man nicht mal das vor ein paar Wochen erschienene iPhone dran anschließen. Soll man wahrscheinlich auch nicht.

Wahrscheinlich freut sich in erster Linie die Zubehör-Industrie drüber: neue Adapter für Strom, USB, Monitor, LAN (Ja, ich mache mehrere GB-Timecapsule-Backups gerne über Kabel), SD-Karten-Leser und was weiß ich noch alles.

Als tollen Benefit bekommt man jetzt zwei Dinge: Eine dynamische Touchleiste anstelle der Funktionstasten und einen TouchID-Sensor statt des Powerbuttons. Persönlich benutze ich von der Funktionsleiste genau einen Button regelmäßig an meinem MacBook und das ist die Escape-Taste. Den Rest wenn dann sehr unbewusst. Trotzdem was soll das? Autovervollständigung bei Wörtern für Texte? Jeder der halbwegs vernünftig tippen kann hat das Wort schneller getippt als dass er den ungewohnten Griff über die Zahlenreihe macht und schaut was da für ein Wort vorgeschlagen wird. Scroll-Bewegungen? Bekomme ich aktuell auch ganz gut und präzise mit dem Touchpad hin. Einzig die Anmeldung über TouchID mag ja ganz nett sein. Aber in Summe kann sich Apple mittlerweile aus meiner Sicht das „Pro“ an dem Gerät sparen. Wenn ich in Zukunft eine Handtasche voller Adapter mitschleppen muss wenn ich unterwegs bin, habe ich nichts damit gewonnen.

Einen i7, wie ich ihn in meinem kleinen MacBook zur Zeit habe, würde ich auch nicht mehr bekommen. Da muss man jetzt gleich in die 15″-Kategorie einsteigen und mindestens 2700 (!) € hinlegen. Auch da: preislich ist das mittlerweile jenseits von gut und böse. Hat mein 2012er i7 MacBook damals ungefähr 1800 € gekostet (die es auch definitiv wert war) steigt das aktuelle dann schon 200 € höher ein. Wenn ich dann sehe, auf was ich auf Grund der Sparfreude Apples verzichten muss, muss ich sagen, dass es mir dass dann nicht wert wäre. An der Stelle ist es auch geschickt, dass man die alten Geräte gleich aus dem offiziellen Store geschmissen hat um Hamsterkäufe der Vorgängermodelle gleich im Keim zu ersticken. Über 240 € für 8GB zusätzlichen DDR3-RAM brauchen wir glaube ich nicht diskutieren. Und so wie ich das verstanden habe, sind die mittlerweile fest verlötet. Am Ende kommt der dumme Kunde noch auf die Idee nur 8 GB zu kaufen und sich dann günstig 16 GB selber zu kaufen und einzubauen.

Was bleibt also für mich von der Vorstellung der neuen MacBooks? Pro ist es ganz sicher nicht mehr, sondern gefühlt mehr und mehr ein echtes teures Lifestyle-Produkt. Eingebautes UMTS sucht man weiterhin vergeblich (Wahrscheinlich, so der Plan, soll man dazu ja ein iPhone nutzen), einen Anschluss für eine Dockingstation, was angesichts der stark reduzierten Schnittstellen für den Schreibtisch sinnvoll wäre, auch.

Ich weiß nicht, was da in Cupertino los ist, aber ich habe das Gefühl, man ist in allen Bereichen etwas planlos seitdem Steve Jobs weg ist. Jubelschreie habe ich auf jeden Fall keine gefunden. Wenn dann war es Kritik und im bestenfall wertneutrale Berichterstattung.

Schade eigentlich…

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