It’s a Glass

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Vorweg: Nein, ich habe keine Developer-Kit davon!

Was mich aber nicht dran hindert, dass ich mir nicht doch ein paar Gedanken gemacht habe über die Brille.

Für alle die jetzt noch reichlich ratlos dastehen:

Google Glass wird sehr wahrscheinlich „the next big thing“, der heiße Scheiß schlechthin. Vergesst Smartphones und Tablets. Wenn das alles wahr ist, was man bis jetzt davon gesehen hat, dann waren diese beiden Techniken nur der Wegbereiter für das was da kommt: Internet und Informationen direkt vor dem Auge. Kein lästiges Tippen mehr sondern sprachgesteuert mit einem kleinen Ding am Brillenrahmen. Ich empfehle da das Promo-Video von Google.

Brille auf Tablet

Aber so cool das ist, ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mich freue wie ein Schnitzel oder ob ich eher Bauchschmerzen habe wegen der Welle, die da auf uns zukommen wird.

Als Spielkind und Entwickler freue ich mich auf die Brille. Ich freue mich auf die Möglichkeit, dass man sie an seine normale Brille anclippen können soll. Ich freue mich, dass der Preis wahrscheinlich human sein wird, da vieles der Technik aus der Handywelt wiederverwendet wird. Ich freue mich, dass sie schon Ende des Jahres kommen soll. Und ich freue mich auf die schier unglaubliche Anzahl von coolen Möglichkeiten, die man damit hat.

Sei es problemlos Videos aus der eigenen Perspektive drehen zu können, die Art der Navigation, die Möglichkeit das erste mal „echtes“ Augmented Reality zu erleben, mit einem Blick auf die Lebensmittelverpackung schon im Laden alles wissenswerte über die Inhaltsstoffe zu erfahren oder dass ich als passionierter Backendprogrammierer endlich nicht mehr über Oberflächen nachdenken muss sondern glücklich sein kann, dass alles über REST-Schnittstellen gelöst werden soll. Die Denkweise, wie man Anwendungen entwickeln muss und was man damit machen kann wird wohl komplett neu sein und wahrscheinlich den Markt ein bisschen umkrempeln.

Ich will eine und wenn es nur dafür ist um damit spielen zu können.

Auf der anderen Seite sehe ich aber auch die Menge an Problemen, die ein solches System aufwirft. Was darf es? Was darf ich damit in der Öffentlichkeit?

Das fängt damit an, dass ich mit einem gemurmelten Befehl schon mehr oder weniger unentdeckt auf der Straße Videos und Fotos machen kann und geht so weit, dass ich die Brille ja auch mit Facebook und Co verbinden könnte um via Gesichtserkennung im Laufen die Leute zu erkennen. Ja, ich weiß, kling paranoid, sind aber Gedanken, die man sich wohl machen muss und die sich die weniger technik-affinen Leute wahrscheinlich machen.

Als was zählt dann dieser kleine Klotz am Brillengestell? Smartphone? Sehhilfe? Sonstwas? Wie wird das zum Beispiel im Straßenverkehr gehandhabt? Darf ich beim Autofahren meine Glass nutzen für Navigation oder um mir fahrrelevante Daten wie zurückgelegte Entfernung und Geschwindigkeit anzeigen zu lassen? Immerhin ist es von da nur ein Satz entfernt noch schnell die Mails zu checken und zu beantworten und schon ist die Aufmerksamkeit dahin. Aber im Grunde ist es dann auch wieder nichts anderes als eine etwas bessere Freisprecheinrichtung. Wenn das Auto auch noch mit ihr kommuniziert bräuchte ich die Augen gar nicht mehr auf den Tacho senken um Daten über das Fahrzeug zu erfassen. Ich bräuchte für die Steuerung von Radio, Handy und was weiß ich noch allem keinen Moment die Augen von der Straße nehmen oder die Hände vom Lenkrad. Es wäre also sogar eine Verbesserung der Sicherheit. Trotzdem wird das wieder erst der Gesetzgeber klären müssen.

Am Ende wird also ein cooles Spielzeug dabei rauskommen. Ich befürchte aber, dass das in ihm schlummernde Potential gleichzeitig auch die größte Gefahr sein wird, die seinen Erfolg bedroht.

Aber bei einem bin ich mir ganz sicher:

I wanna have one of these!