I’ll #MythYouGuys

Nach 15 Jahren ist gestern Abend bei M5-Industries die letzte Klappe für die Mythbusters gefallen.

Als ich das erste Mal vor ein paar Wochen davon gehört habe, dass die Adam und Jamie aufhören, war ich auf der einen Seite überrascht und auch ein bisschen traurig, auf der anderen Seite war es aber auch, auch so wie sie es dann begründet haben, nachvollziehbar und absehbar.

Zum einen sind 15 Jahren ein Haufen Holz. Von den anfänglichen Folgen, die heute eher YouTube-Niveau haben, hat sich die Sendung zu einem qualitiv hochwertigen Format gemausert. Wenn man sieht was und wo und wie sie das machen, möchte ich nicht wissen, wie hoch die Produktionskosten waren.

Meine erste Mythbusters-Folge, über die ich damals noch auf RTL II gestolpert bin, war die Folge in der sie aus Druckluftmotoren, Stiefeln und Helmen eine kleine Armee gebaut haben um eine Brücke zum Einsturz zu bringen. Für mich auch heute noch ein Klassiker, weil er genau das beinhaltet was für mich die Wissenschaft der Mythbusters immer ausgemacht hat: Sich auf unkonventionellem Weg dem Thema zu nähern. Und, wenn man den Kommentaren unter den letzten Einträgen und Tweets glauben kann, ist es diese Leichtigkeit, die viele dazu inspiriert hat in die selbe Richtung zu gehen und irgendwas mit Wissenschaft zu machen.

Denn, wie Adam vor gar nicht all zu langer Zeit sagte

The difference between screwing around and science is writing it down!

Überhaupt haben sie es in 15 Jahren geschafft einen Weg in komplexe Themen zu schaffen, wie es aus meiner Sicht kaum eine andere Sendung im Fernsehen geschafft hat. Ich sehe auf dem Level im deutschen Fernsehen eigentlich auch nur Klassiker. Sehr alte Klassiker wie die Knoff-Hoff-Show (Allein schon die feurigen Einlagen sind hier Gemeinsamkeit) oder in gewissem Maß die alte Version von Kopfball. Mit der neuen habe ich mich ja „angelegt“ als sie Jahre nach Adam und Jamie behauptet haben, dass man ein Glas nicht zersingen könne, weil sie es nicht geschafft haben. Im Gegenteil, es wurde sogar unterstellt, dass die Mythbusters geschummelt hätten und extra dünnes Glas benutzt haben.

Auch so ein Fakt, der Adam und Jamie einen Schritt vor die anderen Shows setzt: Gab es genügend Bedenken aus der Community, dann wurde ein Mythos später nochmal getestet. Wenn das gleiche rauskam konnte keiner meckern dass man da nicht sauber recherchiert hätte, wenn was anderes rauskam war die Überraschung groß.

So oder so: Die Jungs haben 15 Jahre lang großartige Arbeit geleistet. Es hat für Zugang zur NASA gereicht, für einen Besuch beim Präsidenten, für einen Persiflage in den Simpsons, einen Cameo-Auftritt bei CSI und und und. Und bei mir dafür, dass ich ziemlich oft sagen konnte

Das haben die Mythbusters schon getestet. Das stimmt/stimmt nicht…

Aber wie eingangs schon erwähnt: Das Ende und seine Begründung kam jetzt nicht so überraschend. Nach der Trennung von Kari, Tory und Grant und dem „umstyling“ der Show in der letzten Staffel hat irgendwie der Schwung gefehlt. Auch die Aussage dass Jamie nicht mehr lange an der Mythbusters-Tour teilnimmt war schon ein deutlicher Hinweis auf das Ende. Die 2015er Staffel bestand für mich nicht mehr wirklich aus dem alten Wissenschafts-Kram sondern war gerade in der ersten Hälfte eine aneinanderreihung von Specials. Die gab es früher in Form von Green Hornet, James Bond und Breaking Bad auch schon, waren aber damals nicht die Regel. Simpsons-, Indy-, A-Team und Videospiel-Special als „Auftakt“ einer neuen Staffel? Das war schon, naja, nicht so dolle. Lustig aber nicht so dolle. Der Versuch das Bauen und den Prozess der Ideensuche wieder mehr in den Vordergrund zu stellen, ging aus meiner Sicht auch ziemlich in die Hose. Es wirkte vieles sehr gewollt, bemüht und gestellt. Was das denken und bauen angeht, waren ältere Episoden schon viel weiter. Die Duct-Tape-Folgen halte ich weiterhin für legendär. Und auch den Spaß, den Adam und Jamie bei „Dangerous Toys“ verbreitet haben. Davon hätte ich gerne mehr gehabt.

Alles in allem ist es schade aber nachvollziehbar. Und es wird an vielen Stellen beteuert, dass sie einer ganz neuen Generation den Weg bereitet haben.

Und, da bin ich auch ganz ehrlich, Adam Savage ist so ein bisschen ein personal hero für mich. Was der Mann bauen kann und über die Jahre gelernt hat zu bauen, ist einfach beeindruckend. Ich meine, wer möchte nicht so eine Mancave haben, wie Adam sie hat. Und wer möchte nicht, zur Entspannung auch „einfach mal so“ zur Entspannung eine Bullenpeitsche im Indiana Jones-Look flechten können?

Es ist schade loslassen zu müssen und ich hoffe dass es eine würdige Abschlussstaffel werden wird. Und vielleicht tritt ja irgendwann mal wieder jemand in die großen Fussstapfen, die die beiden hinterlassen haben.

Und irgendwer wird hoffentlich auch wieder geniale One-Liner in die Welt setzen auf dem Level von

Am I missing an eyebrow?

oder

I reject your reality and substitue my own!

I’ll #MythYouGuys!