Familientreffen der Google-Zehner

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Hin und wieder fällt mal schickes Spielzeug ab.

Dienstlich geliefertes schickes Spielzeug.

Zum Beispiel wenn man in Zukunft mobile Anwendungen entwickeln soll. Ohne Hardware gestaltet sich das ein bisschen kompliziert. Mit dem Android-Simulator möchte auch ernsthaft keiner arbeiten. Genauso wie beim Auto „Nichts ersetzt Hubraum“ zählt, zählt da einfach „Nichts ersetzt Hardware“.

Und wenn man das ernsthaft betreiben will, dann bleibt einem eigentlich nur eine Möglichkeit: Direkt bei Google einkaufen.

Schon allein auf dem Grund, weil es dort eben keine angepasste verschlimmbesserte Software gibt. Das hab ich schon privat mit dem Xoom sehr zu schätzen gelernt und trage diese Tradition jetzt mit dem Nexus 10 weiter.

Ein Tablet ist ein Tablet

Damit bin ich also in der beneidenswerten Situation das aktuelle und das Ex-10er-Referenzgerät zur Hand zu haben.

Was als erstes wohl auffällt wenn man die beiden Generationen vergleicht ist die Haptik und das Gewicht. Das Xoom kommt mit seinem Alu-Body immer noch sehr massig daher und ist fast doppelt so dick wie das aktuelle Nexus 10. Das Gefühl nur Plastik in der Hand zu haben, wie es damals noch beim Galaxy Tab 10.1 war, bestätigt sich beim Nexus 10 nicht. Wahrscheinlich ist der große Unterschied einfach das gummierte Plastik statt des glatten wie beim damaligen 10.1er. Noch besser hätte es mir aber gefallen, wenn es ebenfalls die strukturierte Oberfläche des Nexus 7 bekommen hätte.

Der gefühlt riesige Gewichtsunterschied ist in nackten Zahlen dann gar nicht mehr so groß. Wog das Xoom noch 730g so bringt das Nexus 10 „nur“ 130g weniger auf die Waage und kommt mit etwas mehr als 600g aus. In der Hand ist das aber ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Ein weiterer Punkt, der sofort auffällt und an dem man zwangsweise nicht vorbeikommt ist der Power-Knopf.

Ich hoffe sehr, dass nie wieder irgendwer auf die Idee kommt aus irgendwelchen Gründen den Power-Knopf auf der Rückseite des Geräts zu verbauen. Das war, neben dem Ladestecker, so ziemlich das nervigste am Xoom. Liegt das Gerät auf dem Tisch kommt man nicht mehr an den Schalter sondern muss es erst hochheben. Bei einem Gerät, das sonst mit keinem Knopf ausgestattet ist, der den Bildschirm wieder aktiviert ist das sehr ärgerlich. Das Nexus 10 hat diesen jetzt bequem an der Oberkante.

Den Ladestecker habe ich auch schon angesprochen, denn irgendwann (teilweise nach sehr langer Zeit) muss das Ding auch mal an den Strom. Motorola war damals schon so schlau und hat einen eigenen Fummelstecker mitgeliefert. Ohne einrasten sondern nur locker zum reinstecken und schon gar kein Micro-USB. Versucht man über Micro-USB zu laden, bekommt man folgende Infomation

Das Nexus 10 kommt mit einem zweiteiligen 2A-Netzteil und einem langen Micro-USB-Kabel. Der Vorteil ist, dass man im Grunde alles verwenden kann was Strom und Micro-USB kombinieren kann. Der Nachteil ist, dass das Laden im Betrieb zur Qual wird bzw. gerade dazu reicht, den Akku konstant zu halten. Es sind eben doch „nur“ 10 Watt während das „echte“ Netzteil des Xoom über 19 liefert. Aber einen Tod muss man eben sterben.

Bisher tot sind auch die Pogo Pins an der Unterseite des Geräts. Was da noch kommt ist unklar. Aber wahrscheinlich auch eine Art magnetische Schnittstelle für das Laden des Geräts und als Verbindung für vielleicht noch kommende Docks. Im Laden oder bei Google ist davon noch nichts zu sehen. Lediglich in einem Weihnachtsvideo von Google konnte man einen kurzen Blick auf ein Dock erhaschen.

Entsprechend übersichtlich bleiben die Schnittstellen beim Nexus 10. Ebenso wie das Xoom hat es einen Mikro-USB, einen Mikro-HDMI und einen Kopfhörer-Anschluss um mit der Aussenwelt zu kommunizieren.

Die Unterschiede zwischen den Generationen halten sich also bis jetzt doch sehr in Grenzen. Es ist eben ein Tablet.

Ich würde auch gerne was über die Geschwindigkeit sagen, aber das ist der objektive Vergleich schlicht und ergreifend nicht möglich. Immerhin ist das Xoom bei mir schon seit einiger Zeit im Einsatz, hat mehrere Updates und zahllose App-Installationen und -Deinstallationen hinter sich. Die Startzeit ist also etwas behäbiger als die des nackten Nexus 10. Im normalen Gebrauch wäre mir aber kein merklicher Unterschied aufgefallen.

Das geht sogar so weit, dass ich das Nexus 10 zugunsten des schon von mir fertig eingerichteten und eingespielten Xoom habe liegen lassen.

Denn im Grunde hat das Nexus 10 gegenüber dem Vorgänger nur einen wirklichen Hammer zu bieten:

Das Display!

Da kann mir jemand noch so viel von inneren Werten erzählen, aber der Eyecatcher, im wahrsten Sinne des Wortes, ist das Display mit seiner sagenhaften Auflösung von 2560 x 1600 Pixeln. Retina-Display nur besser.

Pixel? Fehlanzeige. Keine Ecke keine Kante. Nichts! Selbst wenn man bei Play Books die Schriftgröße auf 13% reduziert, ist jeder Buchstabe immer noch glasklar zu lesen. Die Orginalseiten sehen aus wie Fotos und nicht wie schlechte Scans, wie es beim Xoom der Fall ist. Nutzt man da 13% Schriftgröße, bekommt man dort etwas, dass den Name „Pixelbrei“ durchaus verdient.

(An dieser Stelle hätte ich ja gerne zwei Screenshots gezeigt, aber selbst der Screenshot erreicht nicht die Qualität des Orginals)

Auch wieder an Bord, wie schon beim Galaxy Nexus und den anderen Nexus-Geräten ist NFC. Sicherheits-Enthusiasten werden hier die Panik kriegen, ich finde es nach dem ersten rumspielen ganz nett. NFC Beam ist okay, allerdings hat es sich im Zusammenspiel mit dem Motorola Razr schon als etwas krampfig herausgestellt.

Spannender dürfte das ganze für den Einsatz im Zusammenspiel mit Authentisierung über den nPA oder Firmenzugangskarten sein. Payment mit dem Tablet sehe ich da noch nicht so. Gut und schade in einem ist die Tatsache, dass NFC nur funktioniert wenn das Gerät entsperrt ist. Gut, weil darüber eben auch Payment abgewickelt werden kann und somit der Panik nach Spionage ein Riegel vorgeschoben ist. Schade, weil mein erster Gedanke war, dass man das Gerät ja dann z.B. durch simples auflegen des Firmenausweises entsperren könnte, statt Code, Wischen oder Face-Unlock zu nutzen. Ich denke eine Kombination aus Ausweis und Pin wäre schon ein Killer-Sicherheitsargument für den Einsatz im betrieblichen Umfeld gewesen. Aber wie gesagt: ich sehe durchaus, dass das dauerhafte freigeben von NFC da auch Risiken birgt.

Das abschließende Fazit ist also durchweg positiv. Das Gerät ist, abgesehen vom Display, kein Meilenstein in der Tabletwelt und für den Preis auch nicht mehr wirklich ein Schnäppchen. Nein, nicht einmal die 16 GB-Variante ist mit knapp 400 € ein Schnäppchen. Der preisliche Sprung vom 7er auf’s 10er ist da schon gewaltig und der Mehrwert eher gering. Wer auf dem Sofa einfach nur surfen und Mails checken will ist mit dem 7er durchaus besser beraten.

Was mir auf jeden Fall fehlt beim Nexus 10 ist die 3G-Variante. Das Xoom, oder jedes andere Tablet, dass ich mir damals angeschaut habe, musste zwingend 3G haben. Aus dem einfachen Grund, dass ich mit dem Ding ja auch mobil sein will.

Ein Tabelt ohne Internet war und ist für mich einfach nicht brauchbar. Beim Nexus heißt das jetzt, dass ich entweder in einem WLAN sein muss oder mir eines per Personal Hotspot schaffen muss. Und selbst beim Nexus 7 hat man es bei Google nach einem halben Jahr eingesehen. Warum man beim 10er jetzt wieder ohne angetreten ist, verstehe ich nicht ganz. Aber ich rechne eigentlich fest damit, dass, analog zum 7er, die nächste Revision um eine 3G-Variante erweitert wird.