Fail in Translation

Wenn es etwas gibt, bei dem sich bei mir zielsicher die Fußnägel aufrollen, dann sind es verunglückte Übersetzungen.

Filmtitel sind da super. Da wird aus „Tremors“ mal eben das Land der Raketenwürmer und hat schwups nichts mehr mit dem eigentlichen zittern zu tun, dass den Erdboden im Film bewegt.

Hot Fuzz hat damals den ebenso unlustigen wie unsinnigen Untertitel „Zwei abgewichste Profis“ bekommen. Warum weiß wohl nur die Runde der marktanalysierenden Marketingspezialisten.

Großes Tennis in dem Zusammenhang bringen scheinbar auch immer wieder deutsche Verlage. Die unglücklichen Beispiele die ich gefunden habe, sind zufälligerweise alle von Heyne. Keine Ahnung ob deren Titelfindungsabteilung besonders gutes Kraut raucht, aber sie müssen jetzt (leider) als unterirdisches Negativbeispiel herhalten.

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Galaxy Tunes, so mittelmäßig ich den Roman auch fand, heißt im Original gar nicht Galaxy Tunes sondern Year Zero. Wird irgendeinen Grund haben, den ich schon wieder vergessen habe, aber so hört sich das mehr nach iTunes an. Wahrscheinlich hat erst jemand den Apple-like Alien gemalt und dann musste ein Titel her der passt. Im englischen original sieht das Alien aus wie der Napster-Kopf, was thematisch auch viel eher passt als das iPod-Alien.

Ebenfalls auf deutsch bei Heyne erschienen sind „Die drei Sonnen“. Immerhin hat man es geschafft, da geistig die Transferleistung zu erbringen, dass der englische Titel „The three body problem“ was mit Physik zu tun hat und das mit den drei Sonnen zusammenhängt. „Dreikörperproblem“, wie der Fachbegriff heißt, wäre wahrscheinlich zu sehr in die Pornoecke gerutscht. Oder in die Til Schweiger-Filme. Nach Keinohrhase und Zweiohrkücken kommt das Dreikörperproblem.

Drauf gestoßen bin ich aber über ein anderes Buch von Heyne das jetzt auf deutsch erscheint. „Leonard“ von Shatner. Eine Liebeserklärung an seinen Freund Leonard Nimoy, der wie Shatner auch, wesentlich mehr gemacht hat, als in Star Trek mitzuspielen. Wenn ich mich recht erinnere, wollte er ganz bewusst weg von dem Spock-Image weil ihm das irgendwann auf den Keks gegangen ist. Insofern finde ich „Leonard“ als Titel passend. Zusammen mit dem Bild eines älteren Herren in Schwarz-weiß. Großartig.

Für die Jungs von Heyne leider nicht. Da wurde aus Leonard „Spock und ich“ und auf dem Cover Shatner und Nimoy in Star Trek Uniform und das vor einem babyblauen Hintergrund. Aus meiner Sicht beiden mal schön ans Bein gepinkelt und auf Star Trek reduziert statt auf den Untertitel der englischen Version einzugehen: „My fifity year friendship with a remarkable man“ und nicht: 50 Jahre Star Trek mit Spock und Kirk. Und außerdem auch genau die richtigen Farben für einen liebevollen Nachruf auf einen langjährigen Freund.

So ein Cover kann man bei einem Fanbuch machen. Aber doch nicht bei sowas.

Wie gesagt: Wer auch immer, gerade bei Heyne, für die Übersetzung der Titel zuständig ist: Erst denken, dann schreiben. Und vielleicht beim denken auch mal drüber nachdenken ob das so passt was man da zusammengestöpselt hat.

Da kannste echt nur den Kopf schütteln…

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