Zwei rein- und einmal umgeschaut

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Gestern war wieder Double-Sneak im Cinemaxx. Ich hab es enlich mal geschafft nach 9 Monaten, die ich jetzt in der Stadt wohne meinen Hintern Mittwochs vom Sofa zu bekommen und ihn stattdessen im Kinosessel zu platzieren.

Wie so oft (Ja, ich schreibe bewusst nicht  „Wie immer“, da das Trauma das „Immortal“ und „The Call“ hinterlassen haben, immer noch nicht verwunden ist), habe ich es zu zwei Dritteln nicht bereuht.

Wer es, immer noch, nicht kennt, Sneak heißt günstigeres Ticket für eine meistens am Mittwoch stattfindende Vorstellung kaufen, bei der der Film nicht bekannt ist aber es eigentlich immer einen Film zu sehen gibt, der so noch nicht im Kino gelaufen ist. Einzige, mir bekannte Ausnahme bis jetzt: Rare 5th Element OV in Dortmund in der Double Sneak nach der Preview von „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Sneak ist auch deshalb lustig, weil das Publikum ein ganz anderes ist, als das Genre- und Film-gefilterte, das man sonst im „Progammkino“ zu sehen bekommt, wo der Film vorab schon klar ist. Und allein für das Publikum würde es sich schon lohnen einen ganzen, eigenen Blogeintrag zu verfassen. Vielleicht kommt das im Laufe des Abends ja noch… 😉

Vorher aber die Filme:

The Brothers Bloom

Start 27.08.2009

Die Bloom Brüder Bloom jr. (Adrien Brody) und sein älterer Bruder Steven (Mark Ruffalo) werden als kleine Kinder von einer Pflegefamilie in die nächste geschickt. Ganz unschuldig sind die Beiden daran nicht, immerhin sind sie für ihre Streiche berüchtigt. Der neueste „Streich“, den sich Steven ausdenkt, begründet ihre Karriere als Trickbetrüger. Steven ist der Autor und sein kleiner Bruder Bloom der Hauptdarsteller in den Geschichten, die immer darauf hinauslaufen, dass die beiden reicher werden, aber, wie Steven selber sagt, am Ende alle das bekommen, was sie wollten.

Daran ändert sich auch die nächsten 25 Jahre nichts. Außer, dass das Duo von einer schweigsamen Asiation namens Bang Bang unterstützt wird. Doch nach 25 Jahren hat Bloom genug… Er will nicht mehr betrügen und setzt sich nach Mazedonien ab, wo ihn sein Bruder aber nach 6 Monaten wiederfindet und ihn zu einem allerletzten Coup überreden kann. Man will die junge Erbin Penelope Stamp (Rachel Weisz) um ein paar Millionen erleichtern. Dass ihr das nicht weh tut, dürfte nach ihrem ersten Auftritt klar sein.

Und dann ist doch wieder alles wie immer: Steven schmiedet einen Plan, dessen Zentrum sein kleiner Bruder ist. Und so beginnt dann ein Spiel das immer wieder zwischen Schein und Wahrheit wandelt und den Zuschauer für fast zwei Stunden immer im Unklaren darüber lässt, was Wirklichkeit ist und was nur geschickt geplant wurde.

Genau das ist eines der beiden Säulen, die den Film so fesselnd machen. Immer wieder im Verlauf der Geschichte wird es so abgedreht, so unglaubwürdig, dass man schon fast nicht mehr dran glaubt, dass das noch der ungeplante Lauf der Dinge ist. Zerstört wird diese Theorie dann aber meistens sofort wieder durch eine Banalität, die scheinbar vollkommen nebensächlich scheint, aber doch irgendwie der geplante Dominostein ist, der die nächste Kette in Gang setzt.

Die andere Säule ist die Erzählweise. Auch wenn die Geschichte immer wieder an Fahrt aufnimmt, so bleibt der Erzählfluss doch immer sehr gemächlich ohne einschläfernd zu wirken. Zugegeben, ein paar Stellen haben ihre Längen, aber die lassen sich an einer Hand abzählen. Der Stil des Ganzen, auch mit dem Off-Erzähler und den gemalten Szenen, hat mich doch sehr an Lemony Snicket oder Big Fish erinnert. Nur eben nicht in dieser epischen und märchenhaften Breite wie es die beiden Filme tun. Irgendwo waren Steven und Bloom doch ein bisschen wie die Baudelaire-Kinder.

Sehr gefallen hat mir die Komik, die in den Film eingeflossen ist. Slapstick und Situationskomik würde es wohl am ehesten treffen… aber eben sehr subtil und überraschend und nicht mit dem Holzhammer oder auf eine alberne Art.

Im Normalfall hätte ich ihn mir wahrscheinlich nie im Kino angeschaut und auch sonst keine weiter Beachtung geschenkt. Aber so: Großes Kino! Wer er verträumt-verrückt mag, sollte ihn sich auf jeden Fall ansehen!

Fünf von fünf Spielkarten!

Film Nummer 2 war dann im der Orginalversion in Englisch

Horsemen (Start 27.08.2009)

Allein die nackten Fakten zu diesem Film lassen schon den ersten Zwiespalt aufkommen ob da viel gutes rauskommen kann:

  • (Mit)Produziert von Michael Bay: Dazu muss ich nach Transformers ja nichts sagen…
  • Dennis Quaid in der Hauptrolle: Das letzte was ich von ihm gesehen habe war 8 Blickwinkel und schon da wars nicht der Knüller
  • Dave Callaham:  Screenplay-Autor von Doom
  • Jonas Åkerlund: Dessen Highlight-Reel besteht nur aus Musikvideos

Na gut, aber um was geht es eigentlich?

Eine Serie von Ritualmorden erschüttert eine verschneite Stadt. Ob sie das wirklich erschüttert ist die Frage, Reaktionen aus der Bevölkerung werden vollkommen verschwiegen. Nun gut, auf Grund der Artefakte, die am ersten Tatort gefunden werden, ruft man Detectiv Aidan Breslin. Vater zweier Söhne, Witwer und sichtlich mit sich und seinem Leben überfordert. Im Kühlschrank weinen die Mäuse und wenn er zu Hause auftaucht, dann hat er einen Termin vergessen, bricht ein Versprechen oder bringt Arbeit mit nach Hause. So kommt es, dass sich eigentlich sein älterer Sohn Alex um den jüngeren Sohn Sean kümmert. Rose, scheinbar das Kindermädchen, wird nur in einer kurzen Szene gezeigt… Keine Erläuterung, keine Einführung, keine Verabschiedung.

Na gut, Breslin ackert sich so mit seinem Partner Stingray durch den Fall und stolpert immer wieder über Zeugen, Verdächtige und Hinweise. Die Zusammenhänge sind teilweise sehr zufällig, aber es treibt die Story voran. Und, Überraschung… am Ende siegt das Gute auf ganzer Linie!

Dem einen oder anderen mögen schon ein paar Parallelen aufgefallen sein zu anderen Genre-Größen. Wem nicht, dem werde ich das jetzt nochmal erklären. Ziemlich schnell zu beginn drängen sich gleich mal zwei Filme auf, von denen hier doch sehr dreist geklaut wurde. Biblisch-rituelle Morde? Na, das schreit ja geradezu nach Sieben… Erreicht aber die Klasse nie, auch nicht mal Ansatzweise! Und spätstens wenn ein verknitterter Dennis Quaid durch Schnee und Eis stapft, fühlt man sich ganz schnell an einen anderen Cop mit privaten und Schlafproblemen erinnert. Al Pacino in Insomnia. Und auch hier liegen nicht nur geografisch, sondern auch schauspielerisch Meilen dazwischen. Und als ob man nicht diese beiden Filme schon genug geschlachtet hätte, muss man auch noch einen dritten Herbeiziehen… Einen Psychopathen im Gefängnis… in orangefarbenem Knastdress. Die armen Lämmer hätten besser schweigen sollen und den Drehbuchschreiber sollte man sofort an Herrn Lecter verfüttern.

So schleppt sich das Film also dahin und nach einer halben Stunden bekommt man langsam einen Ahnung, warum die Familie überhaupt in die Geschichte mit einbezogen wird:

  • Den kleinen Sohn braucht man für einen entscheidenden Hinweis
  • Die tote Mutter als Ausrede dafür warum der Haussegen schief hängt und und den Hinweis des Sohns voranzutreiben. Auf den Krebstod wird in höchstens zwei Sätzen des 90 Minuten-Films eingegangen.

Wer da noch fehlt, das kann sich mal jeder selber an drei Fingern abzählen…

Die Figuren bleiben einfach flach und man hat ein drei Stellen (hach, wenns nur drei wären…) ein Defizit in der Story, die diese Mittel zum Zweck eben füllen müssen. Etwas mehr Kreativität des Drehbuch-Schreibers wäre toll gewesen. Aber ich sag nur „Doom“.

Gesplattert wurde auch… Einmal zumindest… Bezug zur Story: latent vorhanden. Notwendigkeit der exzessiven Gewaltdarstellung um die Handlung voran zu bringen: Keine!

Trotzdem war der Film amüsant… Nicht wegen des Films sondern eher wegen der Begleitumstände. Ich habe ja lange selber im Kino Filme zusammengeklebt, aber das gestern war der Knaller. Ein 90 Minuten-Film kommt schon so meist nur auf 5 Akte. Dann bei zwei Akten auch noch den Bildstrich so zu versauen, dass das Bild mehr oder weniger in der Mitte der Leinwand geteilt wird ist schon eine Kunst. Kurzes Kurbeln bis der Bildstrich wieder am oberen Leinwandrand war und weiter ging das Vergnügen. Zumindest zu zwei Dritteln… Ich weiß nicht, welches Exotenbildformat der Film hatte, aber irgendwie passte er nicht auf die Leinwand. Erst nach zweimaliger Beschwerde konnten wir dann wieder die ganzen Gesichter sehen und nicht nur die oberen zwei Drittel davon.
Als Entschädigung bekamen wir aber was anderes zu sehen. Und zwar die Tonangel! Wie steht hier so schön:

Allerdings darf weder die Tonangel, noch deren Schatten im Bildausschnitt zu sehen sein. Auch in Spiegelungen und Reflexionen darf man die Tonangel nicht sehen.

Spiegelung?! Reflexion?! Schatten?! Pah… das ist doch was für Anfänger… Wir halten einfach die ganze Tonangel ins Bild! Ja, richtig gelesen! Da hing wirklich das Mikro inklusive Stock über den Köpfen der Schauspieler. Schafft eine unheimlich gruselige Atmosphäre am Tatort eines Ritualmords. Das Dutzend haben wir sicher voll bekommen…

Tja, und sonst gab’s auch noch Neues, was für unsere Bundesregierung sicher auch sehr spannend sein könnte:

Bei der Obduktion findet man im Mageninhalt eines Opfers einen Prozessor. (Abgesehen, dass das Ding für eine handelsübliche CPU schon sehr klein war… okay….)

Dennis Quaid schnappt sich diesen Prozessor und hält ihn seinem Techniker unter die Nase (sinngemäß übersetzt)

„Finde raus, aus welchem Computer dieser Prozessor stammt“

Gut, denkt man sich…. Jetzt kommt „Der wurde in einem $Herstellername $Modellname verbaut und im $Elektroladen verkauft“

Jaha, denkste… Das geht viel besser

„Klar, kein Problem… Wenn der Rechner aus dem der Prozessor stammt, jemals mit den Netzwerk verbunden war, dann können wir eine eindeutige Verbindung zwischen der IP-Adresse und der Seriennummer des Prozessors herstellen und so die Adresse des Rechners rausfinden“

Mir stellen sich die Nackenhaare auf… Nein, noch besser: Die Fußnägel rollen sich bei solch einer hahnebüchenen Scheiße auf!

Wer hat sich denn sowas ausgedacht?! Und wo war der technische Berater als man sowas auf die Menschheit losgelassen hat?! Über die Seriennummer des Prozessors lässt sich die IP ermitteln über die sich dann Stockwerk und Appartmentgenau die Adresse des Täters finden lässt? Mein Prozessor funkt nach draußen?!

Was haben die Autoren denn da für schlechtes Kraut geraucht?

„Ey… irgendwas müssen die bei dem Typen finden… und wir müssen dann noch so nen Computerraum zeigen und abfackeln, dass der Cop die Website sieht, die ihn dann weiterführt“

Wie wärs mit nem Prozessor im Magen

„Boah, super Idee… Das is dann mit Computer und so… und dann kann man das übers Internet orten!“

Cool, ja so machen wir das!

Ich kommt sich ein bisschen vor wie in einem schlechten Film, bis einem auffällt: man ist in einem!

Deswegen nur gaaaaaaaanz magere 1 von 5 Chips. Und die auch nur, weil die Tonangel den Film gerettet hat.

Ein Kommentar

  1. Verena sagt:

    Yap, ich schleppe auch noch das ein oder andere Sneak-Trauma mit mir herum. Besonders hervorheben möchte ich „Pieces of April“, „Die Anatomie einer Entführung“ und irgendwas mit Girls-blablubb. Wobei Girls-blablubb besonders grausam war. „Immortal“ habe ich mir hingegen mal freiwillig auf DVD ausgeliehen (Cover sah so hübsch aus und es stand bei SciFi) und es im heimischen Fernsehsessel mächtig bereut. Brrr!

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