Würzburger Sommertheater

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Es ist Sommer!

Und das ausnahmsweise mal nicht nur draußen vor dem Fenster sondern auf in den Köpfen mancher Leute. Um das zu ändern und den daheimgebliebenen eine wertvolle Unterhaltung zu präsentieren, hat sich die Mainpost entschieden ein kleines Sommertheater aufzuführen.

Dafür wurden auch keine Kosten und Mühen gescheut, es wurden lange Vorbereitungen getroffen und schließlich einigte man sich wohl drauf, dass man die Würzburg AG einen neuen Werbeslogan für Würzburg finden lassen will.

Es wurden also fleißig Vorschläge gesammelt, Gäste zur Abstimmung eingeladen und, Überraschung, Überraschung, es gewann der sagenhafte Slogan

Provinz auf Weltniveau

Warum überraschend? Naja, weils der Slogan der einladenden und veranstaltenden Würzburg AG ist. Und wer pinkelt bei sowas schon gerne dem Gastgeber ans Bein. Fraglich ist auch, wer da eingeladen war. An Hand der Unterstützerliste lassen sich da sicher 50 Gäste finden.

Immer ganz vorne mit dabei bei der wohlwollenden Berichterstattung: Die Mainpost. Nicht mit dabei: Kritische Stimmen.

Als das Thema dann wieder in Vergessenheit zu geraten drohte, trotz der scheinbar recht unbeholfenen Auftritte der Würzburg AG in Form des Vorstandsmitglieds Dieter Schneider, musste man sich einen neuen Trick einfallen lassen umd den Slogan, oder „Claim“, wieder zu hypen. Und wer hat sich da spontan bereiterklärt, eine tolle Umfrage ins Netz zu stellen? Richtiiiiiiiig: Die Mainpost!

Man hatte zwar schonmal ins Klo gegriffen was Umfragen angeht und geht mit dem Thema „Internet“ und Feedback aus der Bevölkerung eher stiefmütterlich um, aber das ist ja auch nichts neues… Größen wie Spiegel und SZ mussten sich auch erst daran gewöhnen, dass das nicht alles Jubelschreie sind, die da von der Leserschaft kommen und dass es im Gegensatz zum gewöhnlichen Leserbrief eben schneller geht einen Kommentar abzusetzen zu einem bestimmten Artikel. Und weil man total en vouge ist, twittert man auch… Meistens One-Way wie ich das gefühl habe und manchmal schafft man es sogar nicht mal die richtigen Artikel im eigenen Tweet zu verlinken.

Aber, all das kann die Mainpost nicht davon abhalten, es noch einmal mit einer Umfrage zu versuchen. Leider wurde recht schnell klar, dass die Umfrage doch irgendwie manipuliert worden ist. Und hilfreich und besorgt wie das Würzblog ist wurde am Sonntag eine Information online gestellt, wie man sich nette Skripte zusammenbauen kann.

Da war das Kind aber schon in den Brunnen gefallen, denn die Umfrage war schon, auf Grund technischer Unzulänglichkeiten, ins unendlich positive gehypt worden. Ein Glück, dass es da diesen schicken Blogeintrag gibt und man das dann schnellstens dem bösen Würzblog in die Schuhe schieben kann. Ebenfalls interessant, dass sich trotz des massiven Gegenwinds noch niemand offiziell dazu geäußert hat. Nicht mal in den Kommentaren. Weder auf den Seiten der Mainpost, noch auf dem Würzblog.

Vielleicht ist es auch der unabhängigen Medien wie der Mainpost zu peinlich, dass sie dabei ertappt wurden, dass sie nicht ganz so unabhängig sind, wie sie gern tun. Und dass die wohlwollende Berichterstattung vielleicht nicht die Meinung des Redakteurs wiederspiegelt sondern vielleicht eher dadurch geprägt ist, dass die Mainpost offiziell Unterstützer der Würzburg AG ist.

Bisher dachte ich ja immer mal wieder, dass die Lokal-Reporter nur hin und wieder auf einer ganz anderen Veranstaltung waren, aber das ist dann doch eine neue Dimension. Vielleicht sollte man am Heuchelhof überlegen, ob man die Berichterstattung über den Slogan nicht einfach unter den Tisch fallen lässt. Blamiert hat man sich nun schon und alles andere würde nur noch dem Image schaden.

In so fern stimmt dann aber der Claim:

Ganz großes Provinztheater!