Wiki…was?

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Die letzten Wochen scheint es im Internet ja nur noch ein beherrschendes Thema zu geben

WikiLeaks

Ganz ehrlich: Es ist mir ziemlich pupp!

Es dürfte zumindest keinen halbwegs gebildeten Menschen mehr überraschen, dass die Regierungen nicht immer alles von sich geben, was denn da so vor sich geht. Spätestens seit der Mitte des letzten Jahrhunderts gibt es ja genügend Verschwörungstheoretiker, die jetzt wohl gerne auch mal ein paar WikiLeaks Dokumente zu Dingen wie Roswell oder dem Kennedy-Attentat (Übrigens eine sehr schöne Bones-Folge letzte Woche) hätten. Die Ankündigung britische UFO-Akten zu veröffentlichen ging ja schon in diese Richtung.

Dass Armeen morden, vergewaltigen und brandschatzen dürfte spätestens seit den Kreuzzügen auch keinen mehr vom Hocker hauen. Und die sind schon 900 Jahre her.

Was bleibt also übrig? In meinen Augen nur ein gewaltiger Hype und eine etwas übertriebene, medienwirksame, Fahndung der Schweden nach einem grauhaarigen Australier, dem zweimal beim Sex das Kondom geplatzt ist. Was hätte man wohl erst unternommen wenn eine der Frauen schwanger geworden wäre? Invasionstruppen?

Ungefähr so seltsam wie das Gehabe derjenigen die WikiLeaks stoppen wollen (In diesem Fall mehr oder weniger berechtigt vor allem die Vereinigten Staaten)  ist jetzt in meinen Augen, das Verhalten derjenigen, die voll auf den Hype abfahren:

  • Ich kaufe nicht mehr bei Amazon
  • Ich bezahle nicht mehr bei PayPal
  • Und wir nuken Visa und Mastercard mit DDoS-Attacken

Öhm, top… Mein Respekt! Diejenigen boykottieren bzw. sabbotieren gewinnorientierte Unternehmen, die gerne nochmal ein bisschen Geld mit kleineren oder größeren Aufträgen verdienen würden? Ich wette, dass sich unter den 6000 Mitarbeitern, die Amazon allein in Deutschland für’s Weihnachtsgeschäft eingestellt hat, auch welche finden, die das gut finden 😉

Und im Zweifelsfall mögen sich diejenigen dann bitte auch von jeglichen Webseiten fern halten, die mittlerweile Amazon-WS benutzen (und das sind gar nicht mal so wenige). Das wäre dann nicht plaktaiv gegen Amazon im generellen geschossen, sondern gegen die Sparte. Aber wer möchte hier schon auf den Komfort verzichten. Alternativ sollten sich diejenigen mal zusammentun und ihre Klingel den ganzen Tag auf Sturm läuten lassen. Wäre wohl recht vergleichbar 😉

Was die inhaltliche Brisanz für den 08/15-Benutzer angeht: Also wenn ein investigatives Nachrichten-Magazin aus Deutschland schon 40 Redakteure damit beschäftigt, dass sie die wichtigen von den unwichtigen Informationen filtern (Und dann sowas rauskommt, wie dass unser Außenminister untauglich ist, was ja dann für viele sicher ein große Überraschung war) dann sind die Rohdokumente für mich als Otto-Normal-Nutzer

  • Viel zu unübersichtlich
  • Von so geringen inhaltlichen Wert, dass sich der Aufrur nicht lohnt

Oder findet sich hier ernsthaft jemand, den es interessiert (und überrascht (siehe Kreuzzüge)) was in Afghanistan passiert? Oder den es interessiert (und überrascht) was das Ausland von unseren Politikern denkt?

Schließlich und endlich möchte ich auch nicht wissen, welchen Betrag Times, Guardian und Stern auf das „Spenden-„Konto überwiesen haben um vorab an die Informationen zu kommen.

Hoffentlich hat sich der Sturm im Schnapsglas bald wieder gelegt!

6 Kommentare

  1. Tristan sagt:

    Mh – schade, dass du keinen Un-Flattr-Button hast.

    *kopfschüttel*

    1. hazamel sagt:

      Weil ich das ganze für eine große Medien-Blase halte?

      Oder weil ich mir das Recht herausnehme eine eigene Meinung zu haben, für die die Wiki-Leaks-Robin-Hoods ja so verbissen eintreten, aber eben nicht der Meinung entspricht, die die Robin-Hoods gerne hätten? Macht die Androhung mich zu unflattrn nicht genauso „verwerflich“ wie Paypal, Visa und MasterCard, die den Geldhahn zudrehen? Ich wittere Bigotterie!

  2. Madse sagt:

    Irgendwie hast du schon Recht, aber… hmm mir faellt kein wirkliches Aber ein. Trotzdem isses interessant, wieviele Leute auf einmal ja so verdammt sicher sind, dass die Vergewaltungssache in Schweden nur eine Aktion der Amerikaner ist, denen nichts besseres eingefallen ist.

  3. bienchen10071 sagt:

    Hehe, ich hab ja eine Theorie, warum er sich denn nun doch gestellt hat: Er hatte ja angekündigt, Sachen über Russland zu veröffentlichen. Mein Kommentar zu meinem Mann: „Jetzt will er sterben!“ Wahrscheinlich ist ihm das auch aufgegangen, also fluchs stellen und sich vor der Russenmafia/Russenregierung schützen lassen.

    Ich finde aber eins an der ganzen Sache sehr wichtig: Durch die Hackerangriffe wird deutlich, wie anfällig jedes Unternehmen (auch die staatlichen Institutionen) ggü. dem „Cyberwar“ sind. Dazu mal eine Leseempfehlung: http://www.zeit.de/2010/40/Stuxnet-Computerwurm und http://www.zeit.de/2010/34/T-Stuxnet-Trojaner?page=1

    1. hazamel sagt:

      Wobei es jetzt für mich auch keine schockierende Neuigkeit ist, dass Russland von Oligarchen und Staatsfirmen beherrscht wird 😉
      Genauso der Lobby-Einfluss auf die Politik… Da gibt’s schon Kinofilme und Dokus drüber.

  4. grundsätzlich hast du mal Recht, wobei ich das Verhalten von den Amazoniern für etwas, nunja, zu gewinnorientiert halte.

    lustig an den ganzen Attacken auf alle möglichen Webseiten finde ich eigentlich die daraus wieder ersichtlichen Sicherheitslücken einiger Unternehmen, bei den Mastercard Leuten zB….

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