Vom eigenen Anspruch

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Seit gestern Abend hab ich ihn also in der Hand, den Probedruck für meinen Kalender.

Im ersten Moment war das allerdings ein ziemlicher Schlag in die Magengrube. Oder, wie Verena es heute ausgedrückt hat

Print ist eine Schlampe

Was ist passiert? Nunja, ich habe ja schon sehr viel Zeit mit dem Kalender verbracht letzte Woche und kenne ja über das Jahr die Bilder schon mehr oder weniger in und auswendig. Bei der innigen Beziehung, die auch mal bis nachts um zwei oder halb 3 ging, entwickelt man vor seinem geistigen Auge ein recht konkretes Bild, wie es denn werden könnte. Vor allem, wenn man einen Teil der Bilder schon an der Wand hängen hat als hochwertigen Fotodruck in teilweise egomanischen Abmessungen auf teurem Papier.

Nun gut, gestern war also dann der Tag der Wahrheit und, aus meiner Erfahrung eben wie immer, ist das Ergebnis auf Papier doch ein bisschen anders als gedacht. Man kennt die Bilder halt…

Mit einem dicken Hals und gewaltig frustriert bin ich gestern dann recht früh ins Bett und war es heute morgen auch noch ziemlich.

Grundstimmung: Das kannst du niemandem zumuten!

Aber wofür hat man Kollegen? 8 Kollegen später ist mein Gefühl wieder hergestellt, dass es doch gar nicht so schlecht ist, das Ergebnis. Zwei wollten mir sogar gleich das, von mir ja etwas verachtete, Probeexemplar abkaufen.

Es zeigt sich also mal wieder eines: Scheinbar hat man als Fotograf ganz andere Ansprüche an das Ergebnis, als jemand der das recht unbedarft rangeht. Kritikpunkte, die ich gesehen habe, wurden von anderen gar nicht wahrgenommen.

Jetzt schaun wir mal, wie lange es dauert, bis dann die restliche Ladung kommt. Ändern werde ich nichts mehr dran. Und es ist sogar ein Bonus eingebaut, der mir so, nachts um halb 3, gar nicht mehr aufgefallen ist. 😉

Ein Kommentar

  1. Verena sagt:

    Natürlich könnte man jetzt noch den Blickwinkel Deines bevorzugten Art Directors – das ONLINE verschweigen wir in diesem Fall mal – hinzufügen können. Leid zwischen impliziten Vorwürfen und Beratungsspagat 😉

    Print ist und bleibt eben eine Schlampe, ich weiß schon, warum hinter meinem Titel das ONLINE prangt.

    Hier hat man nur Konstanten. Im Print gibt es Variablen wie Drucker, PostScript-Einstellungen und Papierqualität. Aus der Sicht einer Professionellen kann ich Dir aber sagen, dass keine Variable so unausstehlich ist, wie die eigene Erwartung – selbst Designs die bepreist wurden, haben mich bei der ersten Ansicht fast zum Kotzen gebracht. Hier muss man irgendwann einen gemeinsamen Konsens mit sich selbst finden, abstumpfen oder sich ein dickes Fell wachsen lassen.

    Es ist eben, wie es ist.

    Ich freu mich auf den Kalender mit Herrn Vader.

    Wobei Du diesen Beitrag nicht hättest posten sollen. Es ist nie weise, sein Projekt schlecht zu machen, bevor es die Kundschaft gesehen hat. Du hast es als OK abgenommen und gibst es raus – damit musst Du vertreten, dass es gut ist. Alles Andere führt nur zu Frust bei den Kunden. Ich bin mir sicher, zwei oder drei Leute werden den „Fehler“ sehen. Nur, weil Du ihn erwähnt hast. Es ist psychologisch einfach netter, den Unwissendenen die Freude zu gönnen 😉

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