Sperren statt schulen: Deutschland und Social Communities

Das Internet!

Unendliche Weiten… Deutsche Firmen und Behörden beginnen mehr und mehr ihre Prozesse über das Internet abzuwickeln und seine Finessen zu verstehen. Leider nicht immer ganz.

Digital Natives wird hierzulande eher so verstanden dass man mit der Keule auf das Internet losgeht und konsequent Möglichkeiten und Chancen erschlägt.

So gilt alles was man in einer E-Mail bekommt meist noch immer als höchst suspekt und wird über teils seltsame Regelungen und Systeme von den Mitarbeitern fern gehalten. Dass hier in der Kommunikation auch mal was verloren gehen kann zwischen der inneren und dem bösen Rest der Welt, wird unter Kollateralschäden verbucht… Man kann ja nicht alles haben. Auch nicht immer die Mails von den Kunden (gelegentlich WILL man die auch gar nicht, aber das ist ein anderes Thema).

Statt im wachsender Erfahrung die Prozesse zu optimieren, hält man sich eher an die Einstellung der Bundesregierung: Sperren was man nicht will und kennt.

Oder um’s mal so auszudrücken

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht

Darunter scheinen auch die immer beliebter werdenden Social Communities wie die Vzs, Facebook und Twitter zu fallen.

Während die Werbeindustrie hierzulande schon verstanden hat, dass man mit Word-of-Mouth mehr erreicht als mit vergleichbar teuren herkömmlichen Werbekampagnen, tut man sich bei der PR für Behörden und Unternehmen scheinbar noch schwer.

Gerade große Behörden wie die Arbeitsagentur oder die Rentenversicherung sperren ihre Mitarbeiter lieber während der Arbeit von genau diesen Diensten aus, statt sie, wie jenseits des großen Teichs schon mehr im kommen, mit einer entsprechenden Schulung, auf genau diese Dienste loszulassen.

Warum sollte man es in den Presseabteilungen nicht nutzen, das Bild in der Öffentlichkeit dadurch zu zeigen, dass gerade bei diesen, aus den verschiedensten Gründen kritisierten, Behörenden, kompetente Menschen arbeiten, die Spaß bei ihrer Arbeit haben und dort mit modernen Methoden dafür sorgen, dass sich der Kunde auch wie ein Kunde fühlt und nicht wie ein lästiger Bittsteller. Das würde wahrscheinlich nicht nur das negative Bild in der Öffentlichkeit etwas vertreiben, dass „da eh nix passiert“ und zum anderen für einen gewissen Grad an Transparenz für den Bürger sorgen, der ja mit seinen Steuern und Abgaben diese scheinbar undurchdringlichen Anstalten finanziert.

Also eher: „Das machen wir mit Ihrem Geld“ statt „Hier verschwindet Ihr Geld auf Nimmerwiedersehen“

Aktuell findet sich im größten Social Network, Facebook, zum Thema „Deutsche Rentenversicherung“ nur ein eher negatives Video von Frontal 21, mit entsprechenden Kommentaren, und die Arbeitsagentur ist gar nicht zu finden. Willkommen im 21. Jahrhundert… schöner kann man sein Bild der angestaubten Behörde gar nicht pflegen.

Wie schon erwähnt, sollte man die Mitarbeiter natürlich nicht einfach so auf das Netz loslassen. Nicht alles gehört schließlich ins Netz, schon gar nicht, wenn es sich um Interna oder vertrauliche Informationen handelt. Auch eine volle Timeline während der Arbeit welche Highscore man bei Farmville und Co jetzt wieder geknackt hat, macht nicht grad den Eindruck dass die dort arbeitenden Mitarbeiter an Überlastung sterben.

Ich denke, grad für die Generation der „echten“ digital Natives, die jetzt anfangen ihre Beiträge in die Sozialversicherung einzuzahlen, macht es ein besseres Bild, wenn sie jemanden kennen, der dort arbeitet und dort einen „echt coolen Job“ macht, statt dass er oder sie einfach sein Geld verschwinden sieht.

Es bleibt nur zu hoffen, dass genau dieser Appell auch irgendwann in den Stellen für Öffentlichkeitsarbeit und Pressestellen ankommt und man da, besser spät als nie, entgegensteuert.

Denn, wie ganz Deutschland ja aus dem KiPo-Filter gelernt hat, sperren bringt nichts!

4 Kommentare

  1. Jo, sehe ich genauso.
    Behörden und „nüchterne“ Einrichtungen könnten so ihren Coolness-Faktor signifikant erhöhen. Wobei Proxies oder Web-Filter in Zeiten von Android, iPhone und Co nur noch begrenzt Sinn ergeben.
    Ganz ehrlich, wer holt sich so ein Smartphone ohne Mobil-Flat?

  2. also eine vernünftige Webpräsenz ist schon angebracht, ob solche Einrichtungen allerdings in facebook und Co. vertreten sein müssen?
    finde ich jetzt nicht so.

    1. hazamel sagt:

      Zumindest sollte ich aber so viel Präsenz zeigen dass das was da ist keine negative pr für mich ist

  3. das stimmt wohl.
    also wenn schon da vertreten dann vernünftig gemacht. oder halt sein lassen.

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