Sachlicher als erwartet – Wir waren Space Invaders

Das Buch „Wir waren Space Invaders“ ist eines der wenigen Bücher, die sich mit dem Phänomen Viedospiele meiner Meinung nach wertfrei auseinandersetzt. Hier geht es nur um die Spiele und Folgen anderer Art und weit vor der Zeit der Killerspiele.

Von wem ist es?

Die Autoren Mathias Mertens und Tobias O. Meißner dürften dem einen oder anderen aus GameOne bei MTV und der „Doku“-Reihe „Digital Heroes“ die auch bei MTV gelaufen ist, bekannt sein.

Mertens ist Jahrgang ’71 und schreibt für mehrere Zeitschriften über digitale Kultur und ist Initiator des Brickfilmfestivals. Außerdem, wie schon erwähnt, Experte für genau diesen Kulturbreich.

Meißner ist Jahrgang ’67 und hat Kommunikations- und Theaterwissenschaften studiert. In der Autoreninformation ist zu lesen, dass er seit 1997 die Hälfte seines Lebensunterhalts als Fabrikarbeiter verdient und die andere Hälfte als freiberuflicher Schriftsteller. Soweit ich weiß, soll er einige recht gute Fantasyromane geschrieben haben.

Um was geht es im Buch?

Auf 203 Seiten und in vier thematisch sauber getrennten „Leveln“ beschreiben die Autoren den Werdegang der Computerspiele. Die Auswahl der (Bei)Spiele ist subjektiv und keineswegs vollständig, wie die beiden Autoren schon zu Beginn des Buchs betonen. Diese bilden innhalb der Levels thematische Unterkapitel.

  • Level 1 – Die Gründerzeit
    Diese Kapitel dreht sich, wie der Titel schon sagt, fast ausschließlich um die Geburtsstunde der Computerspiele und die Geburtshelfer. Dieser Abschnitt ist, wahrscheinlich auch auf Grund des großen zeitlichen Abstands, sehr sachlich und trocken gehalten. Es ist fast als würde man ein Geschichtsbuch lesen.
  • Level 2 – In Arkadien
    Pong, PacMan und DonkeyKong betreten die Bühne und eröffnen die Welt der Videospielautomaten und läuten die Helden der ersten Telespiele ein. Auch dieser Teil ist meiner Meinung immer noch sehr sachlich gehalten und recht trockener Stoff.
  • Level 3 – Go 64
    In diesem Kapitel geht es in die Welt der Heimcomputer. Hauptsächlich werden hier die Knaller der C64-Zeiten thematisiert. Namentlich unter anderem Zork, M.U.L.E, Summer Games und Tetris. Endlich passiert hier das, worauf ich schon von Anfang an immer gewartet hatte: Persönliche Erlebnisse und subjektive Schilderungen abseits der historischen Fakten. Dazu aber später noch mehr.
  • Level 4 -International Gaming Machines
    Willkommen in der „nahen“ Vergangenheit. Hier geht es dann um das was wir heute auf dem PC, und immer mehr auch auf der Konsole, spielen: Sim City, Tomb Raider und Doom. Auch hier ist es wieder mehr als nur das abrattern der historischen Fakten.
  • Die Zwischenspiele
    Immer wieder machen die Autoren zwischen den Unterkapiteln Ausflüge in die Philosophie der Videospiele, zu subjektive Eindrücken und kulturellen Einflüssen. Dies lockert, grad in den geschichtslastigen Teilen, den trockenen Stoff doch gut auf.

Woher zu bekommen:

Das Beschaffen des Buchs war schon fast ein Level für sich. Zur Zeit wird das Buch im Blumenkamp-Verlag verlegt, wurde das aber ursprünglich nicht, sondern von einem anderen kleinen Verlag der von Blumenkamp aufgekauft wurde. Zu bekommen ist es scheinbar auch nicht über den Großhandel sondern nur direkt beim Verlag (Aussage meines Buchhändlers), was auch erklärt, warum das Buch nicht direkt bei Händlern wie Amazon zu haben ist. Glücklicherweise komme ich aus einer Kleinstadt und kenne dort Buchhändler, die auch solche Exoten irgendwie beibringen.

Mein Fazit:

Ich kenne die beiden Autoren, wie anfangs schon erwähnt, aus den Digital Heroes-Specials von MTV. Dort haben sie es in allen drei Teilen geschafft, in ihren Kommentaren immer wieder einen „Ja, genau so war das“-Gefühl aufkommen zu lassen wenn es um Spiele ging, die man selber gespielt hat. Auch über diese Schiene bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden und habe mich entschlossen es zu kaufen. Als ich es dann in den Händen hielt und das Inhaltsverzeichnis überflog habe ich mich schon auf jede Menge solche Momente gefreut. Immerhin kenne ich über 90 % der Spiele vom eigenen spielen. In der ersten Hälfte wurde ich diesbezüglich aber schwer enttäuscht. Zwar werden hier immer wieder auf amüsante Weise die damaligen Entstehungsgeschichten präsentiert, aber es liest sich leider doch wie ein Geschichtsbuch. Fern von jeglichen Genau-so-Momenten. Das stellte sich in diesem Bereich nur in den Zwischenspielen ein bzw. dann erst ab Level 3 und sorgte dafür, dass ich das Buch eigentlich schon wieder weglegen und unter Fehlinvestition verbuchen wollte. Zum Glück wurde es dann in Level 3 und 4 besser, die Schilderungen wurden subjektiver und ich hatte öfter einen Wiedererkennungswert. Allein die Schilderung der Joystick-Geschichten zum Thema Summer Games war ein Moment in dem ich nicht anders konnte als breit zu grinsen, weil es 1:1 die damalige Realität darstellte und „der heutigen Jugend“ sicher nicht mehr viel sagt.
So kam es eben nach einem schweren Anfang doch noch zu einem versöhnlichen Ende… Eben doch wie bei einem guten Computerspiel. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Autoren zu den älteren Semestern nicht mehr beisteuern können als auch nur hörensagen, weil sie selber noch nicht geboren oder zu jung waren.

Bei all dem bleibt das Buch aber durchgehend sachlich und hält sich aus dem Kritikbereich raus. Kein erhobener Zeigefinger, sondern eine Schilderung der Faszination und Entwicklung der Computerspiele.

3,5 von 5 kaputten Decathlon-Joysticks

Basics:

Wir waren Space Invaders
Mathias Mertens / Tobias O. Meißner

blumenkamp-Verlag

Erscheinungsjahr 2006
ISBN: 3-9810685-0-5

204 Seiten
Preis: ~13 €

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Rezension! (Und die anderthalb fehlenden Quickshots werde ich auch noch irgendwo für Dich auftreiben können 😉
    Der „kleine Verlag“, den Blumenkamp aufgekauft haben soll, ist übrigens der Eichborn Verlag in Frankfurt, für lange Zeit der Stammverlag von Walter Moers und immerhin auch an der Börse notiert. Wäre Blumenkamp imstande, Eichborn aufzukaufen, würde die Welt sowieso ganz anders aussehen. Aber weil es so schwierig ist, das Buch zu bekommen, hier ein kleiner Hinweis: http://www.katrin-blumenkamp.de

  2. hazamel sagt:

    Das mit dem Verlag war, wie gesagt, die Aussage meines Händlers auf die Schnelle (oder zumindest so wie ich es verstanden habe ;))

    Und für Decathlon hab ich nie meinen einzigen Quickshot geopfert. Das war ein Computek Turbo Junior 2. Ich glaub mir ist danach nie wieder etwas unter die Finger gekommen, was unergonomischer und blasenverursachender war als dieses Teil 😉

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