Rot-Blau-Schwarz

on

Eigentlich standen gestern im DFB-Pokalviertelfinale Bayern gegen 60 drei Mannschaften auf dem Platz: die Roten, die Blauen… und eine unterrepräsentierte Fraktion in schwarz-grün, die aber leider viel zu entscheidenden Einfluss auf das Spiel nahm.
Nach über 120 Minuten hat sich zumindest bei mir das Gefühl eingestellt, dass gestern Abend nicht nur die Offensiv überlegene Mannschaft gewonnen hat, sondern auch die Mannschaft, die mehr Glück hatte mit den teilweise haarsträubenden Fehlentscheidungen des Schiedsrichters.
Sicher, es ist immer einfach, auf den Schiedsrichter zu schimpfen, aber es war noch nie so einfach und so offensichtlich wie im gestrigen Spiel. Wer weiter nach Gründen für die Einführung des Videobeweises und gegen die fast schon päpstliche Unfehlbarkeit des Quartetts in grün-schwarz sucht, der bekam Material geliefert dass mehr als ausreichend ist.
Geizig war Schiedsrichter Gagelmann mit den Karten nicht. Toni sah seine erste gelbe Karte schon recht früh und durfte nach einem Auszug zu angewandter Zentrifugalkraft vorzeitig unter die Dusche…. Das Foul an Lucio, der kurz darauf im gegnerischen Sechzehner eine Hand im Gesicht hatte, wurde aber nicht geahndet.
Revanchiert hat er sich dafür ja mit einer mehr als schlechten Interpretation des sterbenden Schwans nach Feindkontakt. Genauso schauspielerisch hochwertig war die Leistung von Ribery: Der leichte Stoß des Abwehrspielers gegen die Achsel nach einem Gerangel, ließ den Franzosen zu Boden gehen wie ein Sack Mehl… Warum er sich dann das Gesicht gehalten hat und gewunden hat als hätte man ihm eine Flasche Bier über den Kopf gezogen, bleibt wahrscheinlich für immer sein Geheimnis. Die Folge war klar: Kapitän (Danke für den Hinweis) Schwarz sah das zweite Mal gelb und durft wie Luca Toni zuvor duschen gehen. Da hatten die Löwen aber schon weit über 100 Minuten den Bayern getrotzt.
Meiner Meinung nach wäre hier für Ribery, in Anerkennung seiner famosen schauspielerischen Leistung, auch ein gelber Karton gerechtfertigt gewesen… oder sollte sich von seinem sicher nicht grad knapp bemessenen Gehalt doch mal mehr zu Essen kaufen. Was macht der Mann nur wenn es mal windig draußen ist?
Genauso streitbar war dann die Finale Entscheidung des aktiven Trios in Schwarz: Foul an Miro Klose in der 120. Minute… Vor dem Strafraum oder auf der Linie? Und das war wohl das beste Argument des Abends für den Viedobeweis im Fußball: Gefoult wurde Klose VOR dem Strafraum, abgehoben hat er auf der Linie…
Angesichts dessen kann ich die Entscheidung auf Elfmeter nicht nachvollziehen. Nicht bei einem Spiel, dass schon so vor Nicklichkeiten strotzt und nicht in einem Wettbewerb, an dem doch einiges an Geld hängt und schon gar nicht in der 120. Minute.
Was folgte war wieder ein Paradebeispiel an inkonsequenz: der erste Elfmeter musste wiederholt werden weil Van Bommel zu früh in den Strafraum rannte. „Zu früh“ heißt in diesem Fall kurz vor dem Schuss als Ribery aber schon angelaufen war.
Und Inkonsequenz deshalb, weil er es bis dahin konsequent vermieden hat Fehler gleicher Kategorie, wie falsche Einwürfe, zu pfeifen.
Unglücklich für die Löwen waren sicher auch zwei Aufälle: Der Torwart konnte nach einem Zusammenstoß mit Luca Toni nicht weiterspielen und der bis dahin im Angriff Regieführende Spieler musste nach einer Verletzung ohne gegnerische Einwirkung vom Platz getragen werden. Und mit ihm die meisten Offensiv-Bemühungen der Löwen.
Eine weiter Randnotiz war dann nur noch, dass von den „Hausherren“ alle Gästefans auf die Oberränge verbannt wurden. Zwei rote Fankurven. Großes Tennis!

2 Kommentare

  1. klaus sagt:

    also ich mag die bauern ja auch nicht unbedingt, allerdings glaube ich, dass schiri gagelmann mit dem pfiff des elfers in der 120. minute eine konzessionsentscheidung für den glasklaren und nicht gegebenen elfer an lucio getroffen hat, dann wäre das spiel schon eine halbe stunde eher entschieden gewesen. tonis gelb rote karte war kleinlich, aber regelkonform (mich wundert, dass mark „the elbow“ van bommel gestern durchgehalten hat). riberys schauspieltalent hat in der bundesliga nichts verloren und ist grob unsportlich, ausserdem war es b. schwarz und nicht kapitän danny schwarz. thorandts gelb rote karte muss man auch geben, ein foul an der mittellinie mit nur einem ziel den spielfluss zu unterbinden ist gelb, in folge also gelb rot…

  2. Hazamel sagt:

    Die letzte Gelb-Rote sah schon stark nach Frustfoul aus… und selbst da schien der Schiri dann keine gute Figur zu machen und „leicht“ verwirrt zu sein.

    Von Van Bommel und Van Buyten hat man eh irgendwie sehr wenig gesehen.

    Und dann als „Wiedergutmachung“ einen Elfer zu geben finde ich auch weniger sportlich.

Kommentare sind geschlossen.