Rate, wo twit‘ ich?

on

Die Aufregung war groß in der digitalen Welt, als Apple mit der neuen iTunes-Version eine neue, mächtige, AGB vorgestellt hat. Und sich darin auch das Recht auf die Verarbeitung der Ortungsdaten vorbehalten hat. In der ganzen digitalen Welt?

Nein, eher nicht… Immerhin gibt es ein paar Unverwegene, die gerne ihre Twitter-Timeline damit zuspammen, wo sie sich jetzt wieder befinden. Wie Schimmelpilze schießen, zumeist iPhone gepowerte, Anwendungen aus dem Boden, die nur all zu gern in die Welt rausplaudern, wo man sich gerade befindet und was man tolles entdeckt hat.

Dabei kommen dann auch so spannende Tweets dabei raus wie

Discovered an exciting place: „Sparkasse Hintertupfingen“

Garniert am besten noch mit einem Link zu Google Maps oder zum persönlichen Profil des Users.

Warum sich Apple da noch die Mühe macht, die Bewegungsprofile selber aufzuzeichnen? Keine Ahnung… Wahrscheinlich wäre es wesentlich einfacher eine kostenlose App zur Verfügung zu stellen, in der die User mit allen ihren Facebook-, Twitter- und Whateverfreunden teilen können, wo sie grad sind und was sie grad toll finden. Im Zweifelsfall freuen sich darüber dann auch gleich die Werbekunden von Apple, da sie damit nicht nur wissen, wo sich der potentielle Kunde befindet sondern aus seinem Profil auch gleich ableiten können, wen oder was er hip oder cool findet und wo er sich rumtreibt.

Auch eine komplett neue Klientel könnte man damit erschließen: Die der Einbrecher.

Kein lästiges ausspähen und spionieren mehr der Wohnungen und Opfer. Nein, stattdessen kann man mehr oder weniger in Echtzeit abfragen wo sich das Opfer befindet, wie weit es noch entfernt ist, wie lange es voraussichtlich bis nach Hause braucht. Zusätzlich kann man in der deluxe-Variante für ein paar Euro mehr dann auch gleich den „Einbrecher-Alarm“ aktivieren. Einfach einen Radius um den eigenen Standpunkt ziehen, der noch eine sichere Flucht ermöglicht. Wird dieser vom Opfer unterschritten, wird der Einbrecher gewarnt.

Generell scheint diese Art der automatisierten Kommunikation (oder besser „Mitteilungsbedürftigkeit“) das neue Scheisse-Bloggen zu werden. Wo bis vor kurzem noch undistanziertes bloggen über den eigenen Stuhlgang und ein all zu weinerliches ausbreiten des Privatlebens das absolute No-Go waren, ist es jetzt das dauernde spammen des persönlichen Aufenthaltsorts. Ich warte ja nur auf einen Tweet á la

I’m at „Scheisshaus bei mir zu Hause“

Vornehmlich verknüpft mit einem Twitpic… Schlimmerweise würde ich es so manchem sogar zutrauen 😉

Aber mit der Privatspähre dürfte es sich wahrscheinlich so verhalten wie mit vielem anderem: Man schreit dass man sie haben will, aber reduziert sie dann dadurch, dass man eben (fast) alles öffentlich ins Netz bläst. Nachvollziehbar für Gott und die Welt, egal ob Gott und die Welt das wissen will. Manchmal wäre es eben doch ratsam ob man bloggt, twittert oder sonstwast, dass man jetzt mal 2 Wochen auf den Kanaren in Urlaub ist. Schwer zu finden sollte man ja nicht zu sein, Impressum sei dank, und in meinen Augen immer eine freundliche Einladung an ungebetene Gäste, auch ohne App, meine Wohnung leer zu räumen.

Aber es ist eben wie es ist. Ich sehe schon, dass es in gar nicht all zu ferner Zukunft auch kein Versteck-Spielen geben wird. Jedes Kind, das Mama sagen kann (oder auch davor) wird ein lokalisierbares Gerät bei sich haben, dass bis auf einen halben Meter genau auflösen kann.

Es gibt dann eben eine Versteck-App, in die man die Teilnehmer eintragen kann und ein Feedback von deren Gerät bekommt. Suchen wird man dann auch nicht mehr müssen. Der Suchende verschickt einfach eine SMS oder E-Mail an die anderen

Hab dich gefunden! @ $DeineKoordinaten

Schöne neue Welt!

2 Kommentare

  1. Verena sagt:

    Yep … ich liebe Widgets – ehrlich. Aber ich finde auch, dass es viel zu weit geht, sein Leben ins Netz zu schleppen. Primär frage ich mich, woher die Breitschaft dafür kommt. Der durchschnittlich begabte Suchmaschinennutzer findet allerlei Infos über eine durchschnittliche Zielperson – wann die zum letzten Mal nach Nagelbettentzündung auf diversen Ask-Sites gefragt hat, Statusmeldungen bei Yahoo, Twitter, Jabber and whatever, Freundeslisten bei Facebook, Xing und die privaten Gedanken im Blog, auf Qype und anderen Bewertungsportal erfährt man dann, was die Zielperson über Restaurant X denkt und und und …

    George Orwell dachte: Big Brother is watching.

    Die Menschen der Realität denken: Hey, Big Brother, guck endlich HIIIIER hin. HIIIIIER zu mir. Guck, ich stell mich extra diiirekt in die Kamera. Deine Absichten sind mir egal, Hauptsache Du beachtest mich.

    Das hatte G.O. nicht vorhergesehen – dafür war er zu clever.

    1. hazamel sagt:

      Ich find das ja auch mal ganz lustig… aber sobald man sich da etwas mehr Gedanken drüber macht, schränkt man das glaub ich ein.

Kommentare sind geschlossen.