Projekt 52 – Woche 38: Gedichtinterpretation

Neue Woche, neues Thema und damit auch der Sprung in die Aktualität. Was ich mir ausgesucht habe, ist fast schon schwere Kost aber wir hatten in der 11. noch das Vergnügen das ganze auswendig zu lernen.

Ich präsentiere:

Johann Wolfgang von Goethe

Prometheus

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte,
Die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.

Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch Götter.
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.

Da ich ein Kind war,
Nicht wußte, wo aus, wo ein,
Kehrte mein verirrtes Aug
Zur Sonne, als wenn drüber wär
Ein Ohr zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir wider
Der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du’s nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest, jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden dadroben?

Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?

Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herren und deine?

Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehn,
Weil nicht alle Knabenmorgen-
Blütenträume reiften?

Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, weinen,
Genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich.

Visualisiert durch:

Ein menschenähnliches Götzenbild aus harter Erde erleuchtet vom Feuer, das Prometheus den Göttern gestohlen hat und für seinen Herd verwendet hat. Dennoch aus dieser Perspektive schon fast göttlich übermächtig.

3 Kommentare

  1. Madse sagt:

    Mussten wir nicht lernen… Aber trotzdm ein schoenes, leicht beaengstigendes Bild. 5/5 Goetzenbildern

  2. Meyeah sagt:

    Von der bildlichen Umsetzung deines ausgewählten Gedichtes her find ich das Foto prima!
    Allerdings für meine Augen dann doch nicht ganz so angenehm anzusehen, daher vier von fünf Götzen.

  3. Isi sagt:

    gefällt mir. und das Gedicht hat die beste Metapher ever: Knabenmorgenblütenträume (:

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