Praktische Physikstunde

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Auch wenn es vielleicht wieder die Aussage nach sich zieht, dass ich diskutieren würde, aber ich bin immer noch der festen Überzeugung, dass ich Freitag nicht zu schnell unterwegs war, als es passiert ist.

Es hatte zwar vorher einen Wolkenbruch gegeben, aber zum Zeitpunkt des Abflugs hab ich nicht mal mehr Scheibenwischer gebraucht. Die Straße war zwar noch feucht aber nur so weit, dass man gesehen hat dass es feucht war. Kein Spurenziehen und nur eine Minipfütze.

Und auch die Kurve war jetzt nicht soooooo evil dass es da zwangsläufig hätte zu kommen sollen. Da bin ich andere Kurven schon ganz anders gefahren. Es ist ja auch nicht so, dass ich da jetzt mit 140 in die Kurve gebrettert bin.

Was ist passiert?

Wir, meine bessere Hälfte und ich, waren auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier. Zwischen Remlingen und Birkenfeld hab ich dann eine sehr leichte S-Kurve mittig genommen, da nur weit vor mir ein Auto fuhr und nach mir gar niemand zu sehen war. Als wir schon aus der Kurve raus waren, merke ich, dass das Heck meines Passats ein Eigenleben entwickelte. Die ganze Geschichte wanderte nach links aus… Zu einem Scheiße hat’s glaub ich noch gereicht und dem verzweifelten Versuch, durch Gegenlenken das Heck wieder einzufangen.

Fand das Heck auch OK… nur so ok, dass es jetzt die Wanderschaft nach rechts angetreten hat. Und das noch viel stärker. Gegenlenken… und ich weiß noch dass ich nicht die Leitplanke treffen wollte. Wieder hat das Heck eingesehen dass das doof ist, und nochmal die Richtung geändert. Diesmal so sehr, dass das Heck die Nase in Fahrtrichtung überholt hat und wir dann mit der linken, vorderen Ecke in offiziell „unserem“ Straßengraben eingeschlagen sind. Kurze Drehung, rückwärts rutschen und Stillstand.

Was danach passiert ist, ist dann wieder recht klar: Motor aus, Licht aus, Radio aus, Warnblink an, Kopf, Nacken, Beine und Arme checken, Schatz fragen, raus, Telefon und Unfallstelle absichern.

Innerhalb kürzester Zeit waren dann schon zwei Helfer da, aber denen konnten wir Entwarnung geben. Nach 10 Minuten hat uns dann ein Bauer mit seinem Geländewagen aus dem Graben gezogen und danach mussten wir nur noch auf die Polizei warten, die dann aber auch nicht mehr gemacht hat, als meine Personalien aufzunehmen und den Leitpfosten wieder einzustecken. Nicht mal der war zu Bruch gegangen.

Selbst zu meiner Überraschung ging der Scheinwerfer noch und das Auto fährt anstandslos. Besser als der Golf meines Vaters mit 30 000 km weniger, wie dieser am Tag drauf feststellte. Gute deutsche 18 Jahre alte Wertarbeit kann man da nur sagen.

Also sind wir, nachdem alles geklärt war, mit 2 Stunden Verspätung, auf der Feier aufgetaucht. Jules Bedenken, dass es nix mehr zu essen geben könnte, waren unbegründet. Dankenswerterweise hat uns Falko dann mit nach Würzburg genommen.

Samstag stand dann im Zeichen der Instandsetzung und Bergung. Der eigentliche Plan, einen Kuchen zu machen und aufs Festungsfest zu gehen war ja hinfällig oder hinrutschig. Die meiste Zeit hat es auch gedauert, die Motorhaube wieder aufzubekommen, da sich das Schloss in sich verdreht hatte und der Zugmechanismus sich nicht mehr so ohne weiteres bedinen lassen wollte.

Der wirklich heftige Schaden hält sich aber in Grenzen: Der Scheinwerfer auf der Fahrerseite musste getauscht werden (Schrottplatz 30 €), der Kühler scheint einen Schlag abbekommen zu haben, meinte aber gestern Abend nachdem ich wieder in Würzburg war, schon nicht mehr tropfen zu müssen. Und ansonsten sind es eher die weniger sichtbaren Schäden: Heckklappe sitzt seltsam, Kotflügel verschoben, wahrscheinlich der komplette Rahmen verzogen und an der Beifahrerseite ist im Seitenschweller eine Delle, wo der Wagen dann am Ende aufgesetzt hat.

Ich hatte zwar durchaus vor mich nach was neuem umzusehen, aber so schnell war das dann doch nicht geplant.

Woran hat’s gelegen? Ich weiß es nicht… An der Geschwindigkeit wahrscheinlich auch ein bisschen. Wahrscheinlich hat das Fahrwerk und die Reifen einen schlechten Tag gehabt. Mit ABS und/oder ESP wäre das sicher auch anders gelaufen. Ich denke mal dass die starke Pendelei davon kam, dass ich voll auf der Bremse stand, auch wenn ich mich im Bereich Füße an nichts erinnern kann, um das zuverlässig sagen zu können.

Wichtig ist, dass uns beiden nicht passiert ist. Etwas weiter hinten wäre ein Baum gestanden und etwas weiter vorne auch. Vom vorderen hat mir der Polizist gesagt, dass sich dort erst jemand drum gewickelt habe. Würde auch zu den Brocken passen, die ich neben meinem Auto gefunden habe, und nicht von mir waren. Die andere Straßenseite wäre auch keine Alternative gewesen: Wahrscheinlich hätte es uns da über die aufsteigende Leitplanke nach einer Einfahrt geschossen. In so fern: Ganz dick viel Glück gehabt!

3 Kommentare

  1. Verena sagt:

    Ein Glück hast Du ne gute Hand-Augen-Koordination. Was mal wieder zeigt, warum Killerspielspieler länger leben. Das sentimentale Gedöns gibts dann im ICQ oder so.

  2. Meyeah sagt:

    Nein, die Aussage bezüglich deiner Diskussionslust zieht das Posting bestimmt nicht nach sich. Das Thema hatten wir ja erstens schon, und zweitens weil du selber im vorletzten Absatz zugegeben hast, dass es zumindest auch ein bisschen am Tempo gelegen haben könnte.
    Das verschafft mir ein bisschen Befriedigung. 😀
    Aber wie schon so oft erwähnt: Unsere Gesundheit hat Vorrang, die kann man nämlich im Gegensatz zu einem Auto, das natürlich auch sentimentalen Wert hat, nicht ersetzen.

  3. puh, Hauptsache euch ist nix passiert, der Rest ist nur Blech.

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