Dies und Das seit 2001

Nummer 200

Eigentlich sollte der 200. Blogeintrag ja ein Grund zur Freude sein, aber as lässt meinen gegewärtige Grundstimmung nicht zu.
Viel mehr frag ich mich, wo sie sind, die guten Freunde, wenn man sie nötigstens hat. Es ist der Augenblick an dem ich merke, dass die guten Freunde, die ich hatte und mit denen ich reden und was unternehmen konnte, die Leute waren mit denen ich die letzten 3 Jahre die Hälfte des Jahres zusammengewohnt habe und dass in dieser Zeit still und heimlich der heimische Freundeskreis weggebrochen ist. Die Hälfte des Jahres weg von zu Hause, an den Wochenenden bei der Freundin fern von zu Hause und wenn ich zu Hause war, wusste es keiner, weil ja eh nie klar war, wann ich zu Hause sein würde.
Aber wo sind sie geblieben, die Freunde, für die man stundenlang durch die Gegend gefahren ist um sie zu trösten oder sie für einen Abend aus ihrem Kummer zu reissen. Man fragt sich, wo die sind, denen man nächtelang zugehört hat, als deren Leben am Boden lag und für die man scheinbar nun wieder egal ist, da es ihnen besser geht.
Wo sind die, die man einmal im Jahr zu Gesicht bekommt und mit dem Versprechen verabschiedet wird, dass man sich öfter melden wird, die in der selben Stadt leben und arbeiten wie man selber.
Wo sind all die, die man jetzt bräuchte und für die man da war, in der Hoffnung es eines Tages zurückzubekommen. Und sei es nur für einen Abend, um die Schulter der Person zu entlasten, die sie einem ohne Rücksicht auf sich selber, so oft entgegenstreckt. So oft, dass es mir schon fast ein schlechtes Gewissen einbringt.

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5 Kommentare

  1. Falko 31. August 2007

    Ich will jetzt nicht behaupten, dass es allen so geht. Freunde kommen und gehen, den Freundschaft will gepflegt werden. Was aber ist denn schon wieder passiert, das Du dich so hängen lässt? Gibt es keine neuen Freunde die Dir helfen können? *zwinker*

  2. Hazamel 31. August 2007

    Schon wieder passiert ist nichts… SIE passiert eher immernoch.

  3. Verena 31. August 2007

    Mein System wird überlastet – ich schwanke zwischen zwei Reaktionen. Einerseits registriere ich, dass Du offensichtlich ein ganz krasses Gedankenschinden abbekommen hast (um mal im gewohnten Jargong zu bleiben) und frage mich, wie ich es nur dispellen könnte? Andererseits fühlt man sich als Person, die sich zu Deinem Freundeskreis zählt, schon irgendwie gekränkt (und sicherlich auch betroffen) von Deinem Post. Warum? … weil man schon viele ICQ-Marathons mit Dir gelaufen ist, viele Badewannengespräche mit Dir geführt, im Zug, auf der Arbeit oder beim Kinobesuch an Dich gedacht hat? Nein, nicht wie ihr jetzt denkt. Als Kumpel, als gute Freundin. Als Freundin, die an einen sehr guten Freund (noch aus längst vergangenen, unschuldigen Tagen) denkt, weil es diesem schlecht geht. Nur weil alle Worte des Trostes und der Aufheiterung bereits gesagt sind, nur weil Du in dieser Situation immun für alles zu sein scheinst, was Deiner Weltuntergangsstimmung entspricht und Deine Freunde in ein großes, dunkles Loch der Hilflosigkeit starren und keine Ahnung mehr haben, was sie Dir noch sagen oder raten können, wie sie Dir irgendwie helfen könnten – sind sie deshalb nicht da? Nur deshalb sind sie wirklich weniger an Dir interessiert? Auch ein Tandem-Sprung in den Höllenschlund macht das ewige Feuer nicht besser. Jeder Freund, der Dich blindlinks in Depression, Frustration und dem konstruieren endloser Qual unterstützt ist kein Freund sondern ein beliebiger Mensch ohne Rückgrat. Ich gebe zu, ich trage keinen Badeanzug für den Teich der da Selbstmitleid und Depression heißt. Dennoch stehe ich, egal ob Du nun darin schwimmst oder nicht, genau am Rand (und das seit Jahren!) und reiche Dir die Hand, wenn Du hinaus klettern willst. Es stimmt mich von Herzen traurig, wenn ich als gute Freundin zu schwach oder Dir nicht nahe genug bin, sodass Du Dich veranlasst fühlst, diesen Post zu verfassen. Ich kann nur sagen … Im Rahmen meiner Möglichkeiten und unter der Berücksichtigung meiner begrenzten Kräfte, war ich immer da. Der Punkt ist lediglich, dass ich Dich nicht zum schwimmen ermutige sondern Dich bitte, hinaus zu kommen, die Gründe für Deine Traurigkeit zu erforschen und Dein Leben so zu leben wie es gelebt zu werden verdient – mit Fröhlichkeit, Frohsinn und Zufriedenheit. Nein, das Leben ist nicht immer glücklich – das weiß ich selbst am Besten. Aber man sollte dem Glück doch zumindest die Möglichkeit einräumen, sich irgendwie im Leben breit zu machen – indem man sich um Zufriedenheit und innere Ausgeglichenheit bemüht. Oft kommen die größten Schwierigkeiten und schlimmsten Gefühlsapokalypsen nicht von den Menschen um uns herum, denen wir sie zuordnen. Oft kommen diese schlimmen und durchaus grausamen Momente einfach von dem drastischen Mangel an Selbstwertgefühl, der beinahe jeden Menschen auffrisst. Ich sage es Dir jetzt hier: Du bist etwas wert – sehr viel sogar – und Du hast Freunde, die Dich lieb haben, sich für Dich interessieren und Dir den Rücken stärken. … und das sage ich, obwohl mich Dein Post tief gekränkt und mit Sicherheit auch verletzt hat. Aber eben weil ich zu Deinen Freunden gehöre, reiche ich Dir auch dann die Hand, wenn Du mir soeben hineingebissen hast. Samthandschuhe besitze ich leider keine, daher kann ich Dich auch nicht damit anfassen. Ich kann Dir nur sagen, dass Du endlich den Popo schwingen und aus Deinem Loch krabbeln solltest – draußen wartet das Leben! Deine oft abgesetzte und herabgewertete gute, beste, was auch immer Freundin Verena

  4. Hazamel 31. August 2007

    Sooo viel Text… -knuddels-

    Ich hatte dich extra im letzten Absatz bedacht. Ich weiss dass du teilweise selber genug um die Ohren hast, deswegen wäre es schön wenn mal jemand anderer den Part übernehmen könnte und ich auch mal für dich da sein könnte ohne dass ich gleich wieder rückwärts ins wasser falle!

  5. Verena 31. August 2007

    K. Ich bin aber dennoch davon überzeugt, dass Du einer Menge Leute damit Unrecht tust. Es geht nicht darum, wer für wen da ist oder wer gerade was um die Ohren hat. Manchmal kann man einen spürbaren Rückhalt für einen guten Freund bieten und manchmal kann man es eben leider nicht – das heißt aber nicht, dass die Unterstützung (vielleicht still, leise und unausgesprochen) nicht trotzdem da ist. Die Welt zirkuliert leider nicht um die kleinen aber doch grausamen Alltagsprobleme, unter denen jeder Mensch zu leiden hat. Ich kanns Dir nur immer wieder sagen … da draußen wartet ein Leben auf Dich (und wahrscheinlich sogar ein echt schönes) wenn Du endlich bereit bist, es auch haben zu wollen! Hols Dir, Tiger!

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