Nachgewrackt

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Eines vorweg: Ich habe grundsätzlich keine Probleme als potentielle Zielgruppe der Abwrackprämie Geld für den Kauf eines Neu- oder Jahreswagens nachgeschmissen zu bekommen.

Doch so seltsam diese Pärmie schon im ersten Anlauf war, umso seltsamer ist sie jetzt in die Verlängerung gegangen. Er hüh, dann hott und nun doch. Und das alles unter dem Deckmantel man wolle den deutschen Autobauern helfen. Zurecht beschwert sich da aber so mancher Autobauer über die Zweiklassengesellschaft. Gewinner der Prämie sind nämlich auf jeden Fall die Japaner, Koreaner, Italiener und Franzosen, die schon vorher im traditionellen Kleinwagensegment stark vertreten waren. Jetzt legt der Konzern eben noch ein paar Euro drauf und schon hat man einen Neuwagen zum halben Preis. VW sieht sich auch als Gewinner und können sie wohl auch, nicht zuletzt wegen ihrer ausländischen Tochtermarken Seat und Skoda. Weitere Gewinner dürften auch Ford und Opel sein, deren Gewinn aber postwenden zu den Mutterkonzernen abfließen dürfte. So ein Managergehalt bei GM will schließlich finanziert werden. Zudem ich zur Zeit bei Opel mir bei einem Neuwagenkauf Sorgen machen würde, dass es den Hersteller demnächst nicht mehr gibt. Wenn man die Nachrichten verfolgt, scheint bis jetzt kein Konzept gefunden zu sein, dass den Konzern alleine tragfähig macht.

Und wer schaut weitestgehend in die Röhre? Die „typical german cars“: Daimler, BMW und Porsche. Die Rabattspannen der günstigen Konkurenz aus Fernost können sie nicht mitgehen, da allein der Grundpreis schon viel höher ist als bei den Reiskochern. Umso verständlicher ist die ablehnende Haltung des Daimler-Chefs gegenüber der Verlängerung.

Kurzum: Was der deutschen Wirtschaft helfen soll scheint nur ein Durchlauferhitzer für die internationale Finanzkrise und Missmanagement der Autowirtschaft zu sein. Wir werden unserem Ruf als Exportweltmeister also wieder gerecht. Jetzt sogar so weit, dass wir unsere Subventionen in Form von barem Geld ins Ausland exportieren. Und damit jedermanns Steuergelder.

Denn machen wir uns doch nichts vor: Das Geld für dieses Konjunkturpaket ist nicht vom Himmel gefallen, die Infaltion würde es freuen, sondern wird uns in den nächsten Jahren sicher wieder freundlich aus der Tasche gezogen. Das ist schon fast als würde mir meine Bank Geld von meinem eigenen Konto schenken.

Und was die noch viel brennendere Frage ist: Was ist danach?

Verlierer dürfte die Autobranche so oder so sein.

  • Entweder bleibt man auf dem Preisniveau was man jetzt eingeschlagen hat und wird heulend und zähneklappernd den Gewinnen der guten Jahre nachweinen, weil man dich jetzt schon fast am Existenzminimum angelangt ist und kurz vor dem Bankrott steht
  • oder man wird wieder zu alten Preisen zurückkehren, was dann wahrscheinlich wieder zum heulen und zähneklappern führt, weil Aufträge ausbleiben und die Autos bei den Händlern auf dem Hof vergammeln.

So oder so ist das Problem der Automobilindustrie durch die Prämie nicht gelöst sondern nur vertagt. Früher oder später wird sich wohl jede Regierung damit abfinden müssen, dass man vielleicht den ein oder anderen sterben lassen muss, damit die anderen leben können. Darwinismus auf dem Automobilmarkt.

Aber eine Regierung die kurz vor der Wahl, sowohl in den USA im Herbst wie auch jetzt in Deutschland, einen Prestigeindustriezweig wie die Automobilindustrie verhungern lässt, könnte sich für die Wiederwahl wohl schonmal ein Loch graben um die Verluste bei den Wählern noch halbwegs finden zu können.

Ein Kommentar

  1. also 1. ist Wahljahr, darum war die Verlängerung meiner Meinung nach abzusehen. dieses hin-und-her ist typisch für unsere momentane Regierung, die könnten genausogut bis September in Urlaub gehen, da passiert dieses Jahr eh nix mehr. oder man sollte halt jetzt schon mal neu wählen, ich fänd das nicht verkehrt.
    2. hat es etwas von selbst Schuld bei den deutschen Premium (räusper*) Herstellern wenn die lieber eine neue E-Klasse mit nix drin für 40k € entwickeln statt eines bezahlbaren Klein- oder Mittelklassewagen. das ist jetzt keine so sehr neue Entwicklung dass da im Allgemeinen mehr spritsparende kleine Autos verkauft werden. diese Kundschaft wollten die nie haben, jetzt haben sie sie halt nicht. Plan erfüllt.
    3. die Autohändler an sich haben schon was von der Abwrackprämie, weil die verkaufen gerade mehr Autos und verdienen etwas Geld. und im Gegensatz zum Daimler zB bezahlen die sogar Steuern. sogar die Händler, die französische, italienische und koreanische Autos verkaufen. die Frage ist nur, wenn der Spass jetzt noch weitergeht, wie sieht das nächstes Jahr aus? wem kann man dann noch Autos verkaufen?
    4. glaub ich nicht dass der typische Porsche-Neuwagenkäufer auf die 2500 € angewiesen ist.
    5. wollte ich noch was sagen, hab ich aber vergessen. das ist, wenn die doofe Arbeit immer beim Kommentar schreiben stört…
    🙂

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