"If you can read this…. Part II

on

Die allgemeine Erblindung und Probleme beim Verstehen von aneinandergereihten Buchstaben scheint immer mehr um sich zu greifen.
Besonders bei Bahnreisenden.

Teil 1: Überraschende Gleisänderung von 9 auf 3, die auf

  • der Anzeigentafel in der Bahnhofshalle
  • die Anzeigentafel unter dem Bahnsteig
  • die Anzeigentafel auf dem Bahnsteig
  • durch Lautsprecherdurchsagen (ok, die erste davon zu machen während auf dem Nachbargleis ein ICE einfährt war jetzt nicht so geschickt)

angekündigt und bekannt gemacht wird. Ich weiß, solche Anzeigen und Ansagen werden eigentlich nur für Pendler und Vielfahrer gemacht. Der normal-sterbliche Reisende hat schließlich einen Anspruch darauf, dass der Fahrplan, den er sich vor 2 Wochen ausgedruckt hat, bis in die Steinzeit bestand hat. Und wenn die Bahn den Zug quer durch den Bahnhof trägt!
Aber überraschenderweise gibt es immernoch Leute die vollkommen ahnungslos und weltfremd am Bahnsteig stehen und zwei Minuten vor Abfahrt des Zuges feststellen, dass sie ja zum anderen Bahnsteig müssten.

Teil 2: „Ist das der Zug nach $Zielbahnhof?“

Schauen wir doch mal…
Anzeigentafel in der Bahnhofshalle: Ja
Anzeigentafel unter dem Bahnsteig: Ja
Anzeigentafel auf dem Bahnsteig: Ja
Anzeige aussen am Zug: Ja
Anzeige im Zug: Ja

Ich würde mich da jetzt nicht mit vollkommener Sicherheit drauf verlassen, ich mein, das sind nur 5 Quellen, aber ich denke schon dass das der Zug nach $Zielbahnhof ist. Dass diese Fülle von Informationen zusätzlich zum althergebrachten Fahrplan und dem selbstausgedruckten, unfehlbaren Fahrplan doch manchen Leuten nicht ausreicht, hat sich bei mir vor zwei Wochen erst gezeigt, als eine ältere Dame auf der Suche nach dem Zugbegleiter durch den Zug eilte. Die gute Dame war im Zug nach Frankfurt/ Main, wollte aber nach Zwickau. Abgesehen davon, was man überhaupt in Zwickau wollen sollte, hätte ein Grundmaß an geografischem Wissen gereicht um festzustellen, dass Zwickau nicht auf dem direkten Weg zwischen Würzburg und Frankfurt liegt.

Teil 3: Und dann gibt es noch die ganz verwegenen jeder Altersstufe, die es wirklich zur richtigen Uhrzeit am richtigen Bahnsteig in den richtigen Zug geschafft haben… Wer meint, dass es ab jetzt alles gaaaaaaanz einfach ist, der irrt gewaltig!
Spätestens wenn die Bahn anfängt kleine DIN A5 große Zettel an die Türen zu kleben.
Diese Zettel, in unscheinbarem gelb, werden mit Vorliebe in Augenhöhe an Türen angebracht und verkünden so in mehrern Sprachen „Diese Tür ist defekt“, hübsch visualisiert mit einem Piktogramm.
Ich weiß, „Nicht entflammbar“ ist eine Herausforderung. Aber „Tür öffnet nicht“ ist keine!
Interessant wird das ganze dann erst in der Nähe eines Bahnhofs.

1. Person A steht vor der Tür, schaut über, unter oder um das Schild herum, fehlt nur noch dass sie sich über das Schild beschweren würde! Ob alleine, oder mit Person am reden, schaut auch um das Schild herum an der Nebentür, und wie alt ist dabei vollkommen egal!

2. Rudelbildung! Mehrer andere Fahrgäste bauen sich feinsäuberlich hinter der ersten Person auf und warten darauf dass diese die Tür nicht aufmacht.

3. Der Zug hält. Alles was davor war, war kinderkacke! JETZT fängt der Spaß erst richtig an: Warum wird der Türöffner nicht grün, warum lässt sich die Tür nicht öffnen… Natürlich alles unter den wachsamen Augen des kleinen gelben, sichtversperrenden Zettels… der könnte ja mal was sagen oder ich könnte ja mal was sagen… aber neiiiiiiiiiiiin! Dafür ist das grad viel zu amüsant! Findet der Zettel sicher auch… sonst würde er ja was sagen!

4. Die Entdeckung! Nach ca. 5 Minuten vor der Türe stehens und mehreren Versuchen die Tür zu öffnen, kommt plötzlich die Erleuchtung: Die Tür ist kaputt! Der Zettel hat doch nicht gelogen! Und wo kommt der überhaupt her?

5. Panik! Das Grüppchen versucht verzweifelt den nächsten Ausgang zu erwischen. Das kommt dann einer Elefantenherde auf der Flucht gleich. Noch gesteigert wird der Spaß dadurch, wenn in einem kompletten Wagen die Türen einer Seite ausgefallen sind.

Ich hab schon überlegt ob ich nicht spaßeshalber mal gelbe Zettel aufhänge mit „Sie können nicht lesen“ oder „Wenn sie das lesen, dann haben sie grad ihren Bahnhof verpasst“ oder „Gelber Zettel sucht Beachtung“.
Schön ist es dann auch, wenn man die Leute freundlich drauf hinweist, dass die Tür defekt ist. Ein bisschen Angst um seine Füsse hat man schließlich! Man fühlt sich gleich ein bisschen wie der gelbe Zettel: Vollkommen ignoriert! „Meine Tür kann er nicht meinen, der ruft das sicher nur zum Spaß in meine Richtung!“
Das nächste mal halt ich mit der Kamera drauf! Das könnte was werden für eine der Pannenshows!