Europa hat gewählt

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…und das auch ganz ohne mich.

Die Gründe dafür waren vielfältig und haben in der Summe ergeben, dass ich es nicht mal über mich bringen konnte „Protest“ zu wählen.

Der ganze Molloch „EU-Parlament“ ist mir eh zuwider. Nicht, dass ich jetzt für einen Austritt aus der EU wäre, nein, es geht mir eher um das Verhalten der Parlamentarier und dem was das aus Brüssel/Straßburg kommt.

Da wird wild reglementiert, dass die Glühbirne verboten wird und wie eine Banane auszusehen damit sie in der EU als Banane verkauft werden darf und dafür ziehen die Parlamentarier auf Steuergeldern zwei Mal im Jahr um… Von Straßburg für ein paar Wochen nach Brüssel und wieder zurück. Man hält sich also, Dekadenz lässt grüßen, nicht nur das weltweit größte Parlament ohne einen eigenen echten Staat sondern auch noch gleich zwei Regierungssitze. Weiterhin ein Thema bleibt auch die Anwesenheitsmoral der Abgeordneten… Inklusive solcher Späße wie dem freitäglichem Anstehen vor der Anwesenheitsliste, fertig bepackt mit Koffer um dann nicht zur Sitzung zu gehen, sondern direkt die Biege zu machen. Unterschrieben werden muss ja dann nur noch für die Quote und fürs Einkommen.

Das erstmal generell…

Was dann die Parteien im einzelnen anging, war da nicht viel mit „kleinerem“ Übel. Keine der Parteien konnte für mich überzeugend rüberbringen was ihre Ziele waren… Dem vernehmen nach ist dies wohl auf die Eitelkeiten der Politiker zurückzuführen, die sich nicht einig werden konnten, was nun auf den Plakaten stehen soll neben ihrem grinsenden Konterfei. Interessanterweise teilweise auch das grinsende Konterfei von Politikern, die gar nicht zur Wahl standen.

Die schwarzen fielen für mich schon aus, auf Grund der jüngsten Verdienste um den Schutz von Kindern und das Fortbestehen des Grundgesetzes… Danke, die Nächsten bitte.

Die roten in Form der SPD haben es dann doch geschafft, mich mit ihrer Wahlwerbung zu berühren… leider nicht positiv sondern negativ indem sie allerlei Beispiele dafür gegeben haben, wer wen wählen würde, aber irgendwie keinen eigenen Inhalt rübergebracht haben. Danke, die Nächsten bitte.

Die gelben, in Form von Guidos Spaßpartei, hat ja kurz vor der Wahl noch mal deutlich gemacht, für was sie stehen: Unterbindung der Presse– und Meinungsfreiheit. Vorbildlich, liebe FDP, und danke, dass meine Aussage was die Anwesenheitsmoral angeht, noch tatkräftig unterstützt wird. Danke, die Nächsten bitte.

Die Grünen waren mir dann doch in einigen Ansichten zu weltfremd. Danke, die Nächsten bitte.

Die, vorallem in Blogger- und Twitterkreisen gehypten schwedischen Piraten… Also bitte… da kann ich auch gleich die Violetten wählen… In meinen Augen in zu vielen Punkten indiskutabel für reale Politik.

Was bleibt… Nix bleibt… Und somit habe ich mich meiner Stimme enthalten.

Statt immer nur zu wettern dass die niedrige Wahlbeteiligung auf ein Desinteresse am politischen Geschehen zu werten ist, sollte man vielleicht in Politikerkreisen mal überlegen ob es nicht ein Protest gegen die aktuelle Politik ist und die Tatsache, dass sich die Parteien in den wesentlichen Punkten nur geringfügig unterscheiden. Von echten Alternativen mal ganz zu schweigen!

Für die Bundestagswahl sollte da von allen Seiten noch mal kräftig nachgebessert werden. So wie die ketzten Jahre kann es zwar nicht weitergehen… wird es aber wohl!

8 Kommentare

  1. Madse sagt:

    Stimmt, den Nachbesserungsbedarf gibt es ja schon seit Jahren, aber es tut sich nichts von Wahlperoide zu Wahlperiode. Bin trotzdem waehlen gewesen, auch wenn meine Stimme nichts weiter bewirkt hat, als als ‚ueberhaupt abgegeben‘ gezaehlt zu werden.

  2. Creech sagt:

    Eine der kleinen Parteien zu wählen empfand ich schon deshalb als sinnvoll, da sie nur ab einem bestimmten Prozentwert Recht auf Beteiligung am Geldtopf haben. Wenn es schon sowas wie Wahlhilfen gibt, dann doch bitte an die richtigen Leute. Zudem ist das EU Parlament gar nicht so groß, wird ja immer gerne mit der Stadtverwaltung von Köln verglichen, die im übrigen mehr Personal hat. Warum wir jetzt eine EU Regierung und dazu noch ne Bundesregierung, sowie 16 Landesregierungen unterhalten müssen, ist mir jedoch auch schleierhaft. Ich denke mir da einfach entweder/oder.

  3. owl sagt:

    Die Politiker juckts doch überhaupt nicht wirklich, ob da Politik(er)verdruss im Land herrscht, oder nicht. Hauptsache sie kommen *irgendwie* überhaupt an die Macht und verdienen so ihr Geld… Das Stimmvieh interessiert niemanden. Und: ja, Parteien mit einem realistischen Programm, das nicht weltfremd ist, wären toll… Nuuuuuun…

  4. Verena sagt:

    Ich glaube nicht das es eine Lösung ist, den mysteriösen Politiker („Den Politiker juckts doch nicht, wenn…“) als Solches angreifen sollte – Politiker sind Menschen wie Du und ich, nur, dass sie sich eben für Politik engagieren. Und es ist gut, dass es diese Menschen gibt – ganz gleich, was nun im Einzelnen von ihnen zu halten ist. Ich finde nur Verallgemeinerungen über „den Politiker“ einfach nicht in Ordnung – und auch nicht zutreffend.

    Dem Blogeintrag selbst gebe ich dennoch Recht. Das System ist einfach scheisse und es wird von Jahr zu Jahr (oder auch: von Wahl zu Wahl) beschissener. Die beiden großen Parteien vergessen mehr und mehr was Rechtstaatlichkeit bedeutet und weshalb unsere Grundgesetze – unter allen Umständen – gewahrt bleiben müssen. Eine Entwicklung, die ich als sehr beängstigend empfinde. Und eine Partei der beiden Großen versucht sich zudem in naiven Illusionen (Hessen kann auch komplett auf Alternativenergien umstellen – klar, mit Hamsterrad im Keller vielleicht schon!), um Wähler, die zu einer sehr jungen Partei gleicher Farbe fliehen, wieder einzufangen. Die von mir favorisierte Partei, hat von den Skandalen der letzten Jahre offensichtlich immer noch nicht den Hals voll und geht gegen Blogger vor – oh mein Gott. Besonders pikant, wenn man doch allenthalben mit Freiheitsliebe und Liberalität wirbt. Abgeordnete dieser Partei kämpften mit Klauen und Zähnen gegen die zuletzt schockierenden Wendungen im Kampf um die Konflikte mit der Generation 64 – um mal auf den Spiegelartikel anzupielen. Und jetzt? Tja, jetzt ist man plötzlich selbst nicht viel besser – nicht im Parteiprogramm sondern im Handeln. Dennoch bleibt das grundlegende Parteiprogramm für mich solide und, im Gegensatz zur Mehrheit der Konkurrenz, fundiert. Ideologisch stimme ich auch der Partei mit der hübschsten Farbe in sehr vielen Punkten zu – aber auch hier heißt es Demontage durch naive Illusionen, die selbst ihm Parteiprogramm nur propagiert aber nicht belegt oder gar untermauert werden. Man spricht von idealen und nicht von logischen, funktionalen Lösungen. Und nur von Idealen kann leider kein Regierungsgeschäft leben. Ähnlich ist es dann bei besagter junger Partei, wobei ich hier noch mehr Luft und noch weniger Inhalt sehe – noch VIEL weniger Inhalt. Wenn man mal von tollen Parolen absieht.

    Was bleibt? Es bleiben zwei Parteien, die längst nicht mehr als Alternative für einander einstehen können. Inzwischen sind sie viel mehr der böse und der gute Zwilling, wobei die Zuordnung schwankt – je nachdem, wer gerade welchem Spleen nachjagt. Und es bleiben zwei kleine Parteien von sympathischen Potenzial, die sich entweder stetig selbst demontieren oder Wolkenträumerei betreiben. Natürlich könnte man auch Tor 5 wählen, wenn man dann ganz auf Inhalte verzichten mag – Parolen reichen ja eigentlich auch.

    Ich hatte mir gerade für und durch Europa erhofft, dass wir endlich mal aus unserem 5-Parteien-Mief (wobei es zu den meisten Themen maximal 2 Meinungen gibt und die auch noch völlig undifferenziert, teils lediglich aus Parolen bestehend) heraus kämen. Nein, selbst da zwängt man sich in die traditionellen Rollen, die so längst nicht mehr funktionieren.

    Ich möchte Auswahl (was nicht unbedingt mir 30 Parteien einhergehen muss) und ich möchte differenzierte, inhaltsstarke Politik. Dem stehen aber auch die Medien und – so Leid es mir tut – zu sehr großen Teil auch „das Volk“ entgegen. Denn hier ziehen Parolen, Meinungsmache und ein schönes Medienlächeln scheinbar viel mehr als konkrete Inhalte. Wieviele Leute können diesen Beitrag überhaupt lesen? Wieviele Leute können guten Gewissens nicken? Alle tun es. Aber wieviele haben sich damit auseinander gesetzt? Wieviele machen sich die Mühe, sich mit den aktuellen Narichten (Nein, nicht RTL) auseinanderzusetzen oder gar das Parteiprogramm zu lesen? Eben … Und wenn der Durchschnittsbürger seine Informationen eben nur vom Hörensagen und aus der Bild konsumiert, wie soll dann eine differenzierte Auseinandersetzung mit Politik möglich sein? Wie kommen denn Politiker an, die stets intelligent, fundiert aber eben nicht populistisch argumentieren? Leider gar nicht. Das ist natürlich keine Rechtfertigung – auch ich bin EXTREM politikverdrossen zur Zeit, keine Frage – aber es ist so ein elender Teufelskreis.

    Wir sollten uns selbst zur Wahl stellen 😉

  5. hazamel sagt:

    @verena: Zu den Politiker kann ich nur aus erster Hand eines sagen. Ein Mitglied der freien Wähler hat auf die Situation in Bayern bezogen gesagt, dass diejenigen die dort jetzt am Ruder sind, und das ist sicher auch für die Bundespolitik nicht viel anders, Berufspolitiker sind… Rein in den jungen Nachwuchs mit 16, dort Karriere gemacht, ein Pro-Forma-BWL/VWL/Politikwissenschaft-Studium auf Partei-Stipendium und danach weiter in der Politik… Das wahre Leben kennen diejenigen nur vom Hörensagen. Bestes Beispiel sind eben die Internetausdrucker, die Bundespräsident-per-Twitter-in-die-Welt-Bläser etc.

    Und nein, ich möchte mich nicht zur Wahl stellen und beharre weiterhin auf der These, dass ein Staat nichts anderes als ein Unternehmen ist und man dort an den wichtigen Stellen Führungspersönlichkeiten einsetzten sollte, die entsprechende Erfahrung und kompetenzen in den entsprechenden Ressorts vorweisen können 😉

  6. Meyeah sagt:

    Wer aus Protest nicht wählt oder weil er in den Wahlmöglichkeiten keine Alternative sieht, die mit den eigenen Vorstellungen halbwegs kompatibel sind, darf sich dann auch nicht beschweren, wenn was schief läuft.
    Man muss bedenken, dass – egal, wie weltfremd das Parteiprogramm auch sein mag – es in der Koalition mit einer anderen Partei doch immer Möglichkeiten gibt das Ganze wieder in einen Konsens zu bringen.
    Deswegen versteh ich das Argument auch nicht.

  7. hazamel sagt:

    @meyeah: Schwarz-gelb… oleole… das Erbe brüteten wir heute noch aus, Rot-grün… Das selbe… Große Koalition… Ohja… das ist toll was wir da jetzt haben.

  8. wia an anderer Stelle schon mal geschrieben finde ich die Einstellung gar nicht wählen zu gehen nicht gut.
    dann wähl halt die Rentner, Violetten oder Tierschutzpartei, vollkommen egal, eine Partei die vollkommen deine Meinung (und meine und die aller anderen) trifft, wird es eh nie geben.
    das Problem am Nichtwählen ist, dass die extremen Parteien, von rechts wie links, ihre Wähler aktivieren können, und allein um diese Spitzen abzudämpfen kannst du besser irgendwen wählen gehen.
    natürlich ist diese ganze Organisation EU-Parlament bescheuert, incl dieser Hin- und Herzieherei (ist eigentlich das bescheuertste), aber da werden nun mal die meisten Gesetze gemacht, die uns betreffen. was die Leutchen da in Berlin machen wird ja zu zweidritteln anschliessend doch wieder verworfen weil es nicht EU konform ist.
    und, leider, sind diese alle 4 bzw 5 Jahre stattfindenden Wahlen die einzige Möglichkeit seine Meinung zu den regierenden Parteien kundzutun.

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