Einmal Hamburg und zurück

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Wer mit der Bahn fährt kann was erleben. Eigentlich sollte es ein ganze entspannter Trip zum Einlösen von Jules Geschenk an ihren Bruder und des Frau werden. Eine kleine Fahrradtour.

Gut, wie schon erwähnt war die Planung etwas kurzfristig und leicht chaotisch aber am Ende stand der Termin dann ja fest.

Also, in den Zug und die dreieinhalb Stunden nach Hamburg gedüst. Wie immer war das Unternehmen Bahn für Überraschungen gut. Ausnahmsweise war der Zug pünktlich und die anfänglich interessanten Unterhaltungen zweier Surfer über Surfen in der Ostsee im November waren mehr als spannend. Irgendwie beneidenswert so etwas erleben zu können.

Getrübt wurde der Spaß dann durch den mir gegenüber sitzenden Fahrgast bei dessen Gähnen ich jedes Mal das Gefühl hatte gleich grün anzulaufen und vom Sitz zu rutschen. Die Freundlichkeit mit der er jemanden am Handy abservierte, der sich verwählt hatte, tat ihr Übriges zum Image der perfekten Unsympathen Marke „Ich bin wichtig und ihr seid alle meiner nicht würdig“. Um meine persönliche Wichtigkeit zu unterstreichen, habe ich mich dann doch lieber meinem Kalender-Problem gewidmet und musste feststellen, dass ich mittlerweile viel zu viel mit Tante Google programmiere.

Interessant war auch, dass kaum dass Hamburg in Sicht kam, das Klischee-Wetter einsetzte: Bedeckt und Niesel- bis Prasselregen. Soll nochmal einer sagen, dass die Gerüchte um das London des Nordens jeder Grundlage entbehren würden. Als Tourist wird man so auf jeden Fall gleich verschreckt. Besonders wenn man aus dem sonnigen Süden kommt und ein Anruf zu Hause die Befürchtung bestätigt: „Wir sitzen hier draußen und die Sonne scheint“ Na super…

Der Abend war dann nicht mehr all zu umfangreich: Essen, Fußball mit den Gastgebern schauen und ab in die Heia.

Geweckt wurden wir dann von der Elefantenhorde aus der Wohnung oben drüber… Jules Schwägerin munkelt, dass die Kinder hätten… Wenn das wirklich wahr ist, dann muss es ein Kreuzung aus Känguru und Elefant sei. Anders kann ich mir die Lautstärke in aller Herrgottsfrühe nicht erklären.

Aber gut, nach einem reichhaltigen Frühstück (Der Brötchenpreis ist jetzt direkt an den Erdölpreis gekoppelt!) brachen wir auf zum Fahrradverleih um das Einlösen der Aufgabe hinter uns zu bringen. Ich sage nur: Abenteuer… und leichter Stress auf Seiten der Gastgeberin. Aber wer kann’s ihr verdenken. Es war schließlich das 11. Wochenende in Folge an dem irgendwas auf dem Kalender stand.

Der Fahrradverleih wurde dann doch noch gefunden, auch wenn der (Garagen-)Laden irgendwie suspekt rüberkam. Naja, besser ein klappriges Fahrrad unter dem Hintern als gar keins… Auch wenn ich sagen muss, dass es etwas größer hätte ausfallen können (ich hätte doch den IC nehmen sollen und mein Eigenes Rad mitnehmen sollen). Viel Fahrradfahren war aber gar nicht… zumindest am Anfang. Mit der Fähre ging’s erstmal von Blankenese ins alte Land und ich bekam auch gleich die Airbuswerke aus nächster Nähe gezeigt. Beeindruckend muss ich schon sagen. Einmal auf der anderen Seite und im Sattel bewahrheitete sich eine alte Weisheit: Beim Fahrradfahren an der See kommt der Wind IMMER von vorne!

Nach einem Eis-Zwischenstop gings noch ein Stück weiter um schließlich am Elbstrand eine Picknickpause einzulegen. Inklusive Sand an Stellen, wo man sicher keinen Sand haben will und Krebschen in Einzelteilen.

Und wie immer, wenn man sich beeilt noch rechtzeitig ein öffentliches Verkehrsmittel zu erwischen, war auch dieses Mal die Fähre zu spät. Aber es war schon ein beeindruckender Schlußsprint den wir hingelegt hatten. Und, glücklicherweise, musste wir am Ende auch den Berg in Blankenese nicht mehr hochstrampeln sondern konnten uns via Bus gemütlich nach oben chauffieren lassen.

Fürs Abendessen wurde wegen des überraschend guten Wetters dann kurzfristig Grillen angesetzt, was auch wieder sehr lecker war!

Um danach doch noch Ligretto spielen zu können (¾ kämpften mit „leichten“ Ausfallerscheinungen) holte ich dann doch noch drei Latte Macciato vom Frittenbrater schräg gegenüber. Mir war bis dato auch nicht bewusst, dass es sowas wie eine Kundekarte gibt. Ich bin jetzt zumindest nur noch 1 Kaffee vom ersten Freikaffee entfernt.

Den Abschluss des Abends bildete dann wieder das aktuelle Viertelfinalspiel. Und schlussendlich sind wir dann alle müde ins Bett gesunken. Und da auch ne ganze Weile geblieben… Ein kleines Frühstück und eine kurze Runde Ligretto und dann wars auch schon Zeit aufzubrechen und den Weg in die Heimat anzutreten. Ziemlich zeitgleich aber leider in getrennten Zügen. Und wieder hat es die Bahn geschafft mich zu überraschen. Pünktlich aus dem Bahnhof raus und schon, „wegen hohem Verkehrsaufkommens“, wenige Meter später wieder zu stehen gekommen. Muss man auch erstmal schaffen von Hamburg-Altona bis Hamburg-Dammtor 5 Minuten Verspätung aufzusammeln und dann bis Hamburg Hauptbahnhof nochmal 6 Minuten drauf zu packen.

Die Fahrt war dann aber irgendwie größtenteils unspektakulär. Angesoffene Bruce Springsteen-Fans im Bordbistro, die die Kellnerin dumm anmachen und zwei ältere Damen, die erstmal ab Kassel jede Menge Unruhe im Abteil verbreitet haben. Setzen sich beide, nur eine, und überhaupt und sowieso. Nach München wollten die beiden und hatten noch nicht mal ne Fahrkarte… Aber Hauptsache erstmal gemeckert und Chaos gemacht.

Ohne mir was zu denken habe ich dann auf Höhe von Gemünden angefangen meinen Laptop in den Rucksack zu verpacken. Da es aber im Abteil etwas eng war, habe ich den Rucksack auf den Gang gestellt. Als ich mich wieder umdrehe, sitzt eine der beiden Damen doch auf meinem Platz und fragt noch, ob ich meine Flasche auch mitnehmen will. Als ich ihr dann klar gemacht habe, dass ich doch noch gedenke mich bis Würzburg nochmal hinzusetzen hat sie etwas pikiert geschaut und die anderen Fahrgäste im Abteil konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Schön war auch, dass die Bahn es eingerichtet hat, dass ich trotz Verspätung noch meinen Zug nach Lohr bekommen habe… Weniger schön war, dass erst ein Wagen abgekoppelt werden musste und wir mit 19 Minuten Verspätung losgekommen sind. Und dass der ein oder andere immer noch nicht die Funktionsweise der Klimaanlage verstanden hat und sich dann noch aufregt, dass es ja nicht kühler werden würde.
Des Weiteren bin ich dafür, dass man Eltern die ihre Kinder nicht unter Kontrolle haben (und mit Sätzen wie „Der Mann findet das sicher nicht toll“ bzw. „Ich mag nicht dass du das machst“ ohne weiter Konsequenzen versuchen sich durchzusetzen), direkt mit den Kindern am nächsten Bahnsteig aussetzen darf. Grausam sowas!

Naja, angekommen bin ich ja. Ich freu mich auf jeden Fall schon drauf meine leicht verbrannten Beine endlich wieder ausstrecken zu können. Alt werde ich heute, glaub ich, nicht!

9 Kommentare

  1. zu dem vorletzten Satz, von wegen Eltern mit Kinder ohne Kontrolle:
    [x] dafür
    🙂

  2. Falko sagt:

    @noch ein Markus
    [x] dagegen.

    Aber wie wäre es Intolerante Kinderlose vor Tunneln mit der Supernanny aussetzen?
    [x] aber so was von dafür und immer schön „mäh“ machen, ja?

  3. hazamel sagt:

    @falko

    [x]dagegen. Die einzige Sorge der Dame war, dass ihr Schminke nicht verläuft, während ihre Kinder sich im Einstiegsbereich geprügelt haben und zum Leidwesen der anderen Fahrgäste ca. 728 Mal die Tür auf und wieder zu gemacht haben.
    Drastischste Maßnahme der Mama: „Ich will das nicht“
    Danach hat sich sich lieber wieder ihrem Fächer gewidmet.

  4. Falko sagt:

    Werde du erstmal Vater dann sprechen wir noch mal drüber. Ich bin mir so sicher als Unbeteiligter sieht das immer sowas von einfach aus und man hat immer einen dumme Idee wie man die Situation reden könnte.
    Ich frag mich nur warum solche Leute so Sätze wie „ich könnte nie Kindergärtner oder so werden, mit so vielen Kindern würde ich nie zurecht kommen“ heraus platzen.
    Vielleicht ist unser Schulwesen aber auch schuld, statt die Kinder zu christlichen Unterricht zu zwingen, sollte Kindererziehung/pädagogische Grundlagen zum Pflichtfach werden.
    Kinder sind nun mal keine Hunde denen man nur „sitz“ und „bei Fuss“ bei bringen muss. Und ich weiß sicher das ihr alle die liebsten und nettesten Kinder der Welt wart. ^^

  5. hazamel sagt:

    Die liebsten Kinder sicher nicht, aber meine Eltern haben kein komplettes desinteresse gezeigt bei solchen Dingen. Außerdem finde ich, dass deine Aussage „lasse machen“ grad genau konträr zu dem steht was du Nina geschrieben hast.

  6. Falko sagt:

    Wo bitte liest du das?
    Ich hab doch nur gesagt, dass sich immer die Aufregen die daneben stehen, und das Eltern sein keinen 0815 Nummer ist.
    Genau so scheinen es Ninas Eltern auch erlebt zu haben.
    Kinder sind grundsätzlich mit Unverständnis gesättigt. Ich wollte diese Frau nicht in Schutz nehmen nur pauschalisierst Du, dass alle Eltern die ihre Kinder nicht im Griff haben, nicht in unsere Gesellschaft passen. Das würde somit auf mich und Ninas Eltern auch zu treffen, weil es gibt immer wieder Momente mit Kindern, wo du es schwer hast die Kontrolle wieder zu erlangen.
    Dummerweise steht immer genau dann so eine kinderloser Superdaddy daneben und schüttelt mit dem Kopf.

  7. hazamel sagt:

    Gut dann haben wir grad aneinander vorbeigeredet. Es ging mir um die Spezies Eltern, deren Maßnahmen scheinbar darauf beruhen, dem Kind kurz zu sagen dass sie das nicht toll finden (Was mich als Kind dann auch reichlich wenig interessiert hätte) oder dann so Sätze kommen wie „Kay-Torben, ich glaube der Mann findet es nicht schön wenn du ihm gegen das Schienbein trittst“
    Erfolg bei beiden Situtationen: Null
    Weitere Maßnahmen von seiten der Eltern: Null

    Ich schätze dich zumindest nicht so ein, dass du dir von deinem Junior auf der Nase rumtanzen lässt weil die einzige Aussage die du machst dann so ein Satz ist. Solche Leute kann ich nicht mal als Erwachsener ernst nehmen.

  8. Falko sagt:

    Ich hätte früher alle 5 im Gesicht gehabt, aber dass darf man ja heute nicht mehr. ^^

  9. hazamel sagt:

    „Dann klatschts… aber sicher keinen Beifall!“

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