Ein Morgen in der großen Stadt

Hin und wieder passiert es, dass ich auch in meinem Urlaub zu nachtschlafener Uhrzeit schon hellwach bin. So geschehen heute! Es war zwar meinerseits geplant zeitig aufzustehen um das Tagespensum (Einkaufen, Bügeln, Treppenhaus putzen, Reifen wechseln) im stressfreien Rahmen zu halten, aber meine innere Uhr war dann der Meinung, dass dreiviertel 7 jetzt genügend Schlaf gewesen seien. Schande… Also habe ich mir erstmal eine Dosis Scrubs verabreicht um mich dann kurz nach 8 auf den Weg Richtung Innenstadt zu machen. Kurz zuvor setzte auch bei mir der Wetterschock ein.

So schlimm wird schon nicht sein, also losgetrabt. Womit ich nicht gerechnet habe war, dass scheinbar der Schnee nicht die einzige Form von Wasser war, die vom Himmel gekommen ist… Und wie es sich im Herbst gehört, waren natürlich alle Gullis verstopft. Land unter am Fußgängerüberweg und „rücksichtsvolle“ Busfahrer aus Frankfurt inklusive. Danke, ich hatte heute Morgen zwar noch nicht geduscht war aber auch nicht so scharf drauf zu erfahren ob meine Schuhe wasserdicht sind.

Kaum in der Innenstadt, traten sich dann die Klischees und Vorurteile auch schon wieder auf die Füße. Zum einen muss wohl bald Fasching sein… Anders kann ich mir den roten Farbklecks, der die grauen Haare der Dame, die vor mir aus dem Auto sprang und mich versuchte mit ihrem Schirm aufzuspießen, zierte, nicht erklären. Ich hätte entweder den Frieseur verklagt, der das verbrochen hat oder einen Hut aufgesetzt. Wenn das Ziel dieser Haarfärbeaktion sein sollte, dass sie ihre grauen Haare kaschiert, dann ist es gründlich misslungen. Oder eben auch nicht, kein Mensch achtet jetzt schließlich mehr auf die grauen Haare sondern lacht eher über den rötlichen Sifffleck in der Mitte.

Aber irgendwie scheint das bei älteren Menschen ja jetzt Mode zu sein: Orange Haare, lila wird auch gern genommen…

Noch Kopfschüttelnd laufe ich gleich in mein nächstes Opfer rein. Ach, was sag ich ein Opfer? Mehrere… Mich wundert gar nicht mehr, dass Frauen ständig am lamentieren sind, dass ihnen doch sooooo kalt wäre! Wenn ich mir bei diesem Wetter mit dem Hemd offen bis zum Bauchnabel rumrennen würde, dann wäre mir auch kalt. Wahrscheinlich steckt da aber weibliche Logik dahinter: Sie hat gestern stundenlang vor dem Schrank mit nichts anzuziehen gestanden, in mühevoller Kleinarbeit das ganze dann farblich abgestimmt… und wurde dann heute morgen vom Winter und Schnee überrascht. Spontanes umdisponieren?! Ja, bist du denn des Wahnsinns? Also:

Titten raus! Es ist Sommer Winter(lich)!

Aber zurück zum Ziel: Eroberung eines Koffers in passender Größe, ein Frühstück und ab nach Hause, wo’s warm ist! Und weils ja gar so siffiges Wetter ist, nehm ich eben Bahn und Bus. Auch um nicht nochmal die Wetterfestigkeit meiner Schuhe zu testen.

Da es mittlerweile auf 10 Uhr zuging, kroch noch etwas ganz anderes aus seinem Nest: Die geistig Elite Deutschlands. Verschlafen, zerknittert und aufgedonnert als ginge es in die Disco oder zur Papageienschau.

Ich weiß, alles böse Vorurteile! Gut, dann war das eben ein Bus voller Vorurteile. Ich bin nämlich damit gesegnet, dass die nächste Haltestelle zu meiner Wohnung auf der Busachse Innenstadt – Uni Zentrum liegt.

Ah, geh weida…

hätte ein ehemaliger Lehrer von mir dazu gesagt. Und genau das war es eben, was nicht geklappt hat.

BWL-Solarium-Schönling 1 trifft nämlich BWL-Solarium-Schönling 2. 2 hat einen Sitzplatz, 1 nicht… Also bleibt 1 im vorderen drittel des Busses einfach mal im Gang stehen. Und das Ganze, um einen Dialog zu führen, der mehr „Alter“ und „krass“ enthielt als „Fuck“s in Black Hawk Down vorkommen.
Das war dann so krass, Alter, dass sie ganz übersehen haben, dass sich im vorderen drittel des Busses mittlerweile die Studenten trümten während in den hinteren zwei drittel schon fast Spinnenweben im Gang ansetzten. Wodurch dann das nächste Vorurteil bestätigt wurde: Studenten sind morgens nicht gesprächig (Außer BWL 1 und 2). Nicht mal so gesprächig um sich mehr Platz zu schaffen. Lieber mal die Pinguintaktik probieren. Hält ja warm.
Also wenn das die geistige Elite Deutschlands ist, dann gibts nur zwei Ansätze:

  • Die werden so schnell elitär, dass sie niiie mehr Bus fahren müssen
  • Jeder der kann sollte schnellstmöglich Deutschland verlassen, da demnächst trockenes Toastbrot die Macht übernimmt.

Man, bin ich froh, dass ich wieder zu Hause bin…

2 Kommentare

  1. Madse sagt:

    Nicht umsonst macht die zu ermordende Studentin in meinem neuen Stueck fuer Darstellendes Spiel BWL… ( und nicht Oekothrophologie, kann eh keiner was mit anfangen )

  2. an sich bin ich schon froh dass ich hier in so einer extremwetterlosen Ecke wohne. wobei, für den normalen Autofahrer auf dem Kölner Ring genügt schon für den nächsten Tag angesagter Fisselregen um das Chaos ausbrechen zu lassen
    🙂

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