Deutschland sucht den Superprakti

on

…bei uns war er auf jeden Fall nicht.

Aber zur Historie: Wir bekommen immer wieder aus der örtlichen DV-Schule Praktikanten geschickt, die dann mehr oder weniger ihr letztes Lehrjahr bei uns verbringen um ihr praktische Prüfungsarbeit zu machen. Da war schon fast alles dabei. Echt gute Leute, die ihre Arbeit sauber hinbekommen haben, Jugendliche mit osteuropäischem Migrationshintergrund, deren erste Amtshandlung morgens war, sich erstmal auf die Schnauze hauen zu wollen. Und nun eben seit Oktober unser Superprakti.

Erstmal hatten wir so direkt nichts mit unserem Superprakti zu tun… Er saß in einem anderen Büro und wurde auf der Vorstellungsrunde auch nur kurz bei uns vorbeigeführt um ein paar generelle Dinge zu klären („Wenn Sie Fragen haben, dann sind Sie hier richtig…“) und um ein paar Details zu klären, weil er ein Projekt von mir übernehmen sollte.

Damals hab ich dann wirklich damit gerechnet, dass er nach ein paar Tagen auf der Matte steht und alles wissen will, was es so zu wissen gibt.

Es geschah… nichts!

Die Zeit verging, der Prakti wurde von uns im Büro geistig schon mehr oder weniger ausgeklammert, bis nach 6 Wochen mein Telefon klingelte.

Ich habe einen Anruf von der Schule bekommen. Der Prakti hat sich beschwert er wäre unterfordert. Können Sie mal schauen wie weit er mit dem Projekt ist?

Gesagt, getan… Hin, gefragt und was bekam ich als Antwort: Er habe noch gar nichts gemacht. Nach 6 Wochen… und sich dann beschweren er wäre unterfordert.

Gut, gar nicht faul, zur Tür raus und zur nächsten wieder rein und Raport erstattet… Keine Minute später ist jemand aus den umgekehrten Weg gegangen und hat den Delinquenten erstmal zu einem netten Gespräch eingeladen.

Hier ein paar Tips für alle Praktikanten:

  1. Wenn man schon 6 Wochen nichts gemacht hat, ist es doof, sich bei der Schule (und übrigens auch bei seiner Mama, wie später rauskam) zu beschweren man wäre unterfordert. Es könnte sein, dass der Praktikumsbetreuer der Firma und der Schule sich schon lange und gut kennen
  2. Wenn man vorgibt, man hätte noch etwas besprechen wollen, dann sollte man auch wissen was man denn noch fragen wollte und nicht einfach im ungünstigsten Moment nichts mehr sagen
  3. Wenn man sich dann schon derart in die Scheiße manövriert hat, dann sollte man nicht noch pampig werden
  4. Zuzugeben, dass man mit niemandem gesprochen hat in den 6 Wochen, der als Ansprechpartner für das Projekt benannt wurde, ist dann schon der Dämlichkeit größter Abschuss

Aber damit war der Spaß ja noch nicht vorbei… Ich wollte ihm dann alle Unterlagen und Anschauungsmaterial schicken und weiß sehr wohl, dass jeder Prakti bei uns eine eigene E-Mail-Adresse bekommt hausintern. Davon wusste er nach 6 Wochen auch noch nichts… Und überhaupt würde seine Netzwerkverbindung seit 2 Wochen nicht gehen.

Spätenstens da war das ganze dann ganz komisch. 2 Wochen ohne Netzwerk? Was hat der gemacht?! Der konnte ja dann nicht mal ins Internet!

Freundlich wie ich bin, habe ich ihm erklärt, wie er zum Benutzerservice findet, an wen er sich wenden muss, dass das behoben wird… Nachfrage einer externen Firma eine Woche später ergab, dass er, richtig, nichts getan hatte… Weder Problem behoben noch beim Benutzerservice gewesen. Er wäre da seit Mittwoch nicht dazu gekommen… Und das am Dienstag die Woche drauf.

Für den Rest der Zeit wurde er dann, auch auf Grund der fachlichen Kompetenz, zu uns ins Büro strafversetzt. Was aber auch nicht viel geholfen hat, geredet hat er trotzdem nicht. Keine Fragen, gar nichts… Immerhin hatte er sich nach dem Einlauf gleich mal an den fachlichen Ansprechpartner gewandt.

Da es bei ihm aber auch technische Lücken, oder besser Löcher, gab, bekam er einen externen Coach an die Seite gestellt, der ihm ein bisschen auf die Füsse trat, aber auch gleich klargestellt hat, dass er sich das nicht lange anschaut.

Prognose des Coaches: „Ich sehe eher nicht, dass das was wird…“ Wahre Worte!

Prakti dann erstmal wieder zum Theorieteil wieder in die Schule und Anfang Mai dann wieder bei uns… Coach auch wieder da, Motiviation Prakti… Null… Man bedenke, es geht um seine Abschlussarbeit!

Sein Coach, nicht dumm, hat natürlich auch Raport erstattet (Melden macht frei… nicht nur beim Bund) und so kam es wie es kommen musste, „Orientierungsgespräch“ Nummer zwei mit dem Praktikumsbetreuer. In dieser Freundlichkeit hab ich ihn ehrlichgesagt noch nicht erlebt… Wöchentliche Meetings mit Statusberichten usw. wurden da vereinbart.

Es kam wie es kommen musste… Der Prakti hatte noch weniger Lust und kam zwischen 9 und 10, um sich mindestens von 12 bis 13 Uhr zu Mama zu verabschieden und dann nochmal bis höchstens 15 Uhr anwesend zu sein. Bis er dann eines Tages gar nicht mehr kam… Rückfragen an zuständiger Stelle nach Krankmeldung blieben erfolglos… Man wisse von nichts. Praktikumsbetreuer unterwegs und nicht zu erreichen.  Zwei Tage später stellte sich dann raus, dass er eine Mail an den Praktikumsbetreuer geschickt hatte dass er krank sei und sich nicht, wie vereinbart an eben jene zentrale Anlaufstelle für Krankmeldungen gewendet hatte.

Die Prüfung kam dann letzte Woche und kein Prakti tauchte danach auf. Freitag gab es dann eine E-Mail von ihm, dass er aus „gesundheitlichen Gründen“ sein Praktikum bei uns nicht fortsetzen könne. Wäre ja soweit auch ok gewesen, weeeeeeeeeeeeeenn ihn nicht der fachliche Ansprechpartner an just jenem Freitag sehr munter und fit im MediaMarkt in Lengfeld getroffen hätte. Gegrüßt hat er scheinbar wie immer nicht…

Als ich das dann erfahren habe, wurde ich doch neugierig und habe mal das liebe Internet in Form des StudiVz befragt. Und sie da… ich wurde fündig… Und wie fündig ich wurde.

Sein Musikgeschmack trollt irgendwo zwischen HipHop, Beatsteaks und System of a Down rum, am liebsten schaut er Herr der Ringe und Transporter und über sich selbst sagt er folgendes:

1,75 groß blaue Augen und blonde Haare
Gut drauf
ehrlich
Meistens für einen spaß zu haben, sarkastisch
Manchmal verplant, nett wenn man zu mir nett ist, launisch

Ehm… Ja… Gut drauf… mhm… vielleicht manchmal ein bisschen drauf aber gut?! Und wahrscheinlich waren ihm unsere sarkastischen Späße zu unlustig. Und nein, wir waren nicht nett… Wir wollten ja uuunbedingt Leistung sehen.

Dass er wie in seinen Gruppen steht, zu viele Gedanken macht, halte ich eher für unwahrscheinlich. Und umso blöder kommt es, wenn man dann auch noch der Gründer der Gruppe „Ich verkaufe Haschisch in der der Garage ist“.

Gratulation, du bist ein gaaaanz großer Gangster. Das Bild komplettiert sich dann auch noch mit den Bildern die er online gestellt hat, dass er wohl zu der Sorte Gruppenclown gehört, der mit seinen Homies fett einen auf dicke Hose machen kann aber dann, wenn es drauf ankommt im Beruf scheinbar keinen Arsch in der Hose hat. Mami wird’s schon richten… Immerhin ist sie ja zuständig fürs Personal in einer Würzburger IT-Firma. Aber so wie sich der Superprakti bei uns präsentiert hat, dürfte da auch noch so viel Vitamin B nicht reichen.

Ich bin auch jeden Fall gespannt, ob das noch ein Bericht unsererseits an die Schule zur Folge haben wird, wie er sich denn so verhalten hat. Und nein, wenn mich jemand fragt, werde ich nicht aus Gutmenschentum die Geschichte weniger deutlich darstellen als sie wirklich war.

Kommentar eines Kollegen:

Und sowas zahlt mal unsere Rente!

Mein Gegenkommentar:

Schlimmer! Und sowas bekommt von uns Hartz IV bezahlt!

4 Kommentare

  1. noch schlimmer!
    sowas fängr dann bei der Firma an wo wir unsere Software her haben

    lol

  2. Verena sagt:

    Puh, und ich dachte eine meiner Praktikantinnen im vorletzten Jahr hätte alle Vögel abgeschossen: keine Zeit um Aufgaben zu erledigen, weil sie gerade mit XYZ chattete, ständig Anrufe von Freundinnen oder Verwandten auf MEINEM Apparat, Krankmeldungen per SMS an mich etc … aber EUER Praktikant verdient echt nen eigenen Titel. Priiima.

  3. owl sagt:

    Und was hat er dann den ganzen Tag gemacht? V.a. so ohne Internet? ^.^ Ich meine: man *kann* doch garnicht dasitzen und rein garnichts tun, oder? Las er wenigstens ein Buch? Hörte er Musik? Machte er *irgendwas*?

  4. hazamel sagt:

    Soweit wir das mitbekommen habe, hat er intensiv die „Online“-Hilfe der Entwicklungsumgebung gelesen und eine sinnfreie GUI in Java zusammengeklickt. Aber wie man wochenlang ohne Netz auskommt ist uns auch allen rätselhaft

Kommentare sind geschlossen.