Das Klopapierrollen-Paradigma

Es gibt Situationen in meinem Leben, in denen Adrian Monk oder Sheldon Cooper sicher sehr stolz auf mich wären.

Eine davon betrifft wahrscheinliche (HOFFENTLICH!!!) jeden mindestens einmal am Tag.

Das Klopapierrollen-Paradigma

Was sich im ersten Moment anhört wie der Titel einer Folge BigBangTheory, ist schon fast ein Thema von religiösem Ausmaß.

Wie hängt man die Klopapierrolle richtig herum auf?

Für all diejenigen, die jetzt sofort sagen

Wie? Aufhängen? Das Ding liegt oder steht doch eh auf dem Boden/irgendwo wo Platz ist

können sofort aufhören zu lesen. Es dürfte wirklich uninteressant werden.

Erstmalig konfrontiert wurde ich mit diesem Thema auf einer Zugfahrt in leicht angeschickertem Zustand vor ein paar Jahren als innerhalb der Gruppe auf einmal die Diskussion aufflammte wierum eine Klopapierrolle korrekt aufgehängt werden muss. Abrisskante nach vorne oder nach hinten?

Vielfach wird behauptet, dass das eine geschlechtsspezifische Geschichte wäre: Frauen hängen die Rolle mit mit der Kante nach vorne und Männer nach hinten.

Leider muss ich sagen, dass ich diese These nicht unterstützen kann. Die Gründe sitzen, liebe Geschlechtsgenossen, man möge mir jetzt schon verzeihen, wo anders.

Um dies zu klären, muss man sich dem Thema aber von einer ganz anderen Richtung nähern. Nicht die Klopapierrolle ist hier entscheidend sondern das Gerät zur Befestigung der Klopapierrolle:

Der Klopapierrollenhalter

Der wohl weitverbreitetste Klopapierrollenhalter dürfte wohl derjenige sein, der an der Wand befestigt wird. Bestehend aus einem Metalldeckel der über sein Eigengewicht oder einem Federmechnismus nach unten gedrückt wird, zwei Greifarmen und einer zylindrischen Klopapieraufnahmevorrichtung (wahlweise aus Metall, Kunststoff oder der Variante „Klassik“ aus Holz mit zwei Metallnägeln an den Enden).

Simple Konstruktion, unter 10 Teile und trotzdem eine Herausforderung in der Bedienung bzw. Bestückung.

Der Teufel steckt ja aber bekanntlich im Detail. Und hier ist das Detail ein gesundes Verständnis von Logik und Naturwissenschaft.

Dass es daran scheinbar bei manchem scheitert, ist leider bedauerlich. Grobe Vorurteile behaupten sogar dass grad Männer die Klopapierrolle falsch aufhängen. Aus nachvollziehbaren Gründen kann ich leider nur 50% der Theorie bestätigen. Öffentliche Toiletten bieten sich hierbei ja als Testgelände geradezu an.

Warum aber Logik und Naturwissenschaft?

Eigentlich gibt es ja nur zwei Arten, wie man die Rolle aufhängen kann: Blatt nach vorne oder nach hinten.

Warum „nach hinten“ falsch ist, lässt sich an folgenden Punkten leicht verdeutlichen:

  1. Die gängigen Klopapierrollenhalter haben am Ende des Deckels eine scharfe Abrisskante. Hängt das Blatt nach vorne und hat keine oder eine unzureichende Perforation, so lässt sich an dieser Kante das Papier abtrennen, folgt also dem Prinzip nach dem die Menschheit, in Ermangelung einer Schere, Papier seit Jahrhunderten an Linealen oder Tischkanten teilt. Der Knick im Papier sorgt dafür, dass mit Hilfe des Deckels genügend Reibungswiderstand aufgebracht wird um das Papier zum Zerreißen zu bringen.
    Hängt man das Blatt nach hinten, fehlt diese wunderbare Hilfe der Physik und man würde sich nur die Hand an der Wand anschlagen.
  2. Ein Argument der Fraktion „Blatt nach hinten“ ist immer, dass es so leichter gehen würde. Diese Fraktion, drückt wahrscheinlich beim Fahrradfahren auch das Schutzblech vorne runter „weil’s dann leichter geht“ und findet es auch leichter gegen den Strich zu streicheln. Wieder setzt hier der Freund Physik ein: Die Abrisskante des Deckels des Klopapierrollenhalters funktioniert wie ein Messer beim Brot streichen. Kein halbwegs vernünftiger Mensch würde auf die Idee kommen, das Messer mit der Kante wie eine Schneeschaufel verwenden. Zum einen weil man damit eher den Brotaufstrich eher abschabt als zu verteilen und zum anderen weil es eben viel schwerer geht. Fazit diesesn zweiten Arguments ist also auch: Blatt nach hinten ist wider der Physik und der Logik.
  3. Wie grad schon angesprochen, lässt sich das ganze Problem mit einer Schneeschaufel vergleichen. Zweck dieser ist es Schichten von Eis und Schnee zu entfernen und abzuhobeln. Übertragen auf die Klopapierrolle hat das den Effekt, dass bei der Bewegung der Rolle mit dem Blatt nach hinten über die gegenläufige Kante der Abrisskante des Deckels des Klopapierrollenhalters, das möglicherweise eh schon nicht fünflagige Papier, abhängig von der Stärker der Feder zum Andrücken des Klopapierrollenhalters, das Papier noch abgehobelt wird. Es geht also Material verloren, welches… ähm, nein, lassen wir das. Einfach zu erkennen ist dies durch den feinen weißen Staub (nicht koksen!!!) auf dem Deckel des Klopapierrollenhalters.
  4. Bedrucktes Spaßklopapier ist immer nur auf der Außenseite bedruckt. Hängt man die Klopapierrolle mit dem Blatt nach hinten, hat davon lediglich die Wand was und der Benutzer wundert sich, warum er jedes Blatt zum Lesen umdrehen muss.

Wie nun hinlänglich bewiesen ist, gibt es nur eine wahre Art und Weise das Klopapier richtig aufzuhängen! Papier nach vorne. Wer es andersrum tut, der demonstriert lediglich mangelndes Verständnis für Logik und für die Grundlagen praktischer Physik.

Oder es ist ihm schlicht „Scheiß“egal!

Zurückzukommend auf die Einleitung ist mir sowas einfach ein Graus.

Entdecke ich sowas, kribbelt es mir innerlich, die Rolle umzudrehen. Bin ich in gewissen Situationen direkt betroffen, kann ich meistens nicht widerstehen. Die nach vollendeter Tat einsetzende innere Befriedigung kann wohl nur jemand verstehen der auch vom Schlage eines Adrian Monk oder Sheldon Cooper ist. Und vielleicht wäre es mal für die Industrie eine brauchbare Idee statt bedrucktem Spaßpapier auf die ersten drei Blätter jeder Klopapierrolle eine Bedienungsanleitung zum Aufhängen zu drucken. Immerhin steht auf der Tiefkühlpizza auch, dass man sie aus der Plastikfolie nehmen muss, bevor man sie in den knapp 200 Grad heißen Ofen schiebt…

(Ausgeklammert aus dieser Studie wurden diejenigen deren Klopapierabrollvorrichtung keinen Deckel hat oder ähnliches. Wobei bei Standmodellen sicher eine ähnliche Logik greift)

5 Kommentare

  1. Madse sagt:

    Jop, passt *unterschreibt*

  2. Verena sagt:

    Wie sollte man denn auch sonst das erste Blatt zu einem kleinen Dreieck falten, wie in guten Hotels? Und wie sollte ich sonst erfahren, in welchem Fußballspiel die meisten roten Karten (…) gezückt wurden?

  3. Meyeah sagt:

    Ich hätte da noch einen anderen, simpleren Grund, warum es sinnvoller ist, Toilettenpapier nach vorne abzurollen: Es ist schlicht und ergreifend näher am Toilettenbenutzer, sodass man sich nur so weit nach vorne beugen muss wie notwendig. Das macht zwar nur die Breite der Klopapierrolle aus, kann aber bei im gleichen Moment körperlichen Anstrengungen durchaus entscheidend sein.

  4. Chardey sagt:

    Also In mir jubelt grad alles tosendenden Biefall zu dieser Ausführung! Jedes Wort spricht mir aus der Seele. Ich bin fast zu Tränen gerührt!! Endlich weiß ich dass ich in einer Welt der verkehrt-herum-hänger-deppen doch nicht allein bin!!

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