Bisschen Kindergarten

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Bei jedem besseren oder schlechteren Scheidungsfilm heißt es immer, dass man den Streit nicht auf dem Rücken der Kinder austragen will.

Wie es anders auch geht, und auch noch quasi pädagogisch abgesegnet, zeigen ja zur Zeit die Erzieherinnen in den Kitas und Kigas.

Eines vorweg, ich habe durchaus Verständnis dafür dass die Damen und Herrn mehr Geld für ihre Arbeit fordern. Gerechtfertigt allein durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten der letzten Jahre. In wie weit das fachlich vielleicht zu vertreten ist, diese Bewertung überlasse ich mal anderen.

Was mich viel mehr verwundert ist der zweite Streit- und Streikpunkt, den die ErzieherInnen da ins Feld führen:

Die Gesundheitsfürsorge

Allen ernstes moniert doch eine Sprecherin der ErzieherInnen, dass dies darin begründet läge, dass die 140 Kinder in ihrer Tagesstätte so laut wären und dass sie ständig auf kleinen Stühlen sitzen müssten. Und wenn man das bis 67 machen müsste, würde das schon an die Substanz gehen.

Bei so einer Aussage, komme ich dann doch ins Grübeln. Halten die dort alle 140 Kinder in einer Halle, dass sie so viel Krach auf einmal erzeugen und hier gleich alle 140 Kinder ins Feld geführt werden? Zumindest zu meiner Kindergartenzeit war es noch so, dass wir in einzelnen Gruppen zusammengefasst waren. Und das waren sicher kein 140er Gruppen.

Außerdem hört sich diese Argumentation nach zwei gravierenden Neuerungen im Bereich der Kinderpflege/-erziehung an:

Kinder sind jetzt klein und laut, was sie scheinbar früher nicht waren, sonst hätte man sich ja schon vor 20 Jahren schonmal beschwert, dass Kinder klein und laut sind.

Irgendwer muss den Kindern, oder den Stühlen, wohl die Bein abgesägt haben. Vollkommen willkürlich über Nacht. Bei unserer Regierung kann ich mir gut vorstellen, dass das von den Familien- und Gesundheitsministern der Länder so beschlossen wurde. Immerhin spart das ja auch Platz.

Gegenwärtig manifestiert sich vor meinem geistigen Auge das Bild einer/eines Erzieher(s)In, die an ihrem allerersten Tag in die Kita/Kiga kommt und eines schockiert feststellt

Die sind ja alle so klein… und so laut. Davon stand aber nichts in der Stellenbeschreibung!

Meiner Meinung nach strotzt diese Forderung geradezu vor Naivität vor dem „Traumberuf“. Als nächstes kommen dann wohl die Bandarbeiter bei Opel und finden Schichtarbeit unzumutbar und ich werde mich dann auch gepflegt beschweren, dass ich bei meiner Arbeit als Programmierer mit einem Computerbildschirm am Schreibtisch arbeiten muss.

Bei manchen Forderungen kann man echt nur den Kopf schütteln

5 Kommentare

  1. Verena sagt:

    Also ich finde es auch unzumutbar, dass ich mir als Grafikdesignerin die Augen am Monitor zerstören muss (natürlich nutze ich NIEMALS Screenmedien in meiner Freizeit) und außerdem verkrüppelt mein rechter kleiner Finger, wenn ich Layouts u. Storyboards scribbeln muss.

    Mal ernsthaft: Ich finde auch, dass diverse Berufsgruppen besser bezahlt werden sollten. Ich finde aber auch, dass die momentane Situation – auch wenn ich Finanzkrisenhysterie zutiefst ablehne – nicht gerade zu solchen Forderungen einlädt. Anyway: Die Forderung nach mehr Geld finde ich auch in diesem Fall berechtigt. Vielleicht sollte man aber mal über die Argumentationskette nachdenken. Die Aussage „Ich erbringe Leistung und möchte dementsprechend so bezahlt werden, dass ich gut davon leben kann“ ist aus meiner Sicht ausreichend. Und sicher auch viel weniger strittig als eine Debatte darüber vom Zaun zu treten, ob ErzieherInnen durch den Lärm der Kinder später beeinträchtigt werden.

    Denn das man als ErzieherIn mit Kindern zu tun hat, das dürfte bei der Berufswahl hinreichend bekannt gewesen sein. Mal abgesehen davon, dass ich nicht weiß, was dann Flugzeugmechaniker, Industrie- oder Fabrikarbeiter zum Thema Lärmeblästigung sagen sollten. Und die Damen an der Supermarktkasse könnten dann ebenfalls einen erheblichen Zuschlag verlangen, weil sie sich täglich achtzig Braindeads reinziehen müssen. Und auch im Kindergarten gibt es sicherlich Alternativen zu „kleinen Stühlen“ … omfg … da fragt man sich wirklich, wer sich SOLCHE Argumente ausdenkt.

  2. Meyeah sagt:

    Yop, da kann ich euch beiden nur Recht geben. Wie lange arbeitet die Frau bereits in diesem Beruf?
    Und da ist ihr über Nacht auf einmal die Erleuchtung gekommen, dass die Stühle dann doch zu klein für sie sind?
    Oooh, und ich wusste gar nicht, dass ich in meiner Branche beraten und mit Menschen zu tun haben muss. Davon hat man mir aber nichts gesagt, und meinen Kopf selber hab ich auch nicht beanspruchen wollen!
    Sehr, sehr seltsames Argument.
    Aber mehr Geld haben zu wollen versteh ich schon, das will irgendwo jeder – zumal, wenn ich bedenke, wie horrend die letzte Summe beim Wocheneinkauf war und wie wenig wir eigentlich gekauft haben.

  3. Verena sagt:

    Du hast Recht, die Lebensmittelpreise sind inzwischen tatsächlich horrend. Besonders wenn man bedenkt, dass viele Lebensmittel im Laufe eines !knappen halben Jahres! um bis zu 0,3 € teurer wurden. Und es sind längst nicht nur die Milcherzeugnisprodukte betroffen, wie Anfang ds Jahres angekündigt.

    Wie? Du hast was mit Menschen zu tun? Sind die nicht viel zu laut während einer Beratung? Und überhaupt … Du musst dort doch sicher auch auf total unbequemen Stühlen sitzen? Ist vielleicht auch ne Gehaltserhöhung wert 😉

  4. Meyeah sagt:

    Die nächste Gehaltserhöhung kommt im August, so viel ist ja schon mal abzusehen! 😛
    Und ja, es hat mich regelrecht schockiert, wie leer unser Einkaufswagen für 36€ wirkte. Den Gang zum Fleischer haben wir uns dann doch gespart.

  5. also wenn ich das ja richtig mitbekommen habe dürfen die wegen laufender Lohnverhandlungen ja gar nicht wegen mehr Geld streiken.
    also sind die Arbeitsbedingungen dran.

    prinzipiell bin ich ja der Meinung das sich jeder über den Beruf den er/sie ergreifen möchte VORHER informieren sollte. dann kämen da nicht so böse Überraschungen wie von wegen da sind laute Kinder in meiner Kindergartengruppe. zudem ist es sicherlich möglich auch in einem Kindergarten einen Stuhl und Tisch normaler Größe zu nutzen. da bei den Kidnern in den Familien so etwas wahrscheinlich auch im Einsatz ist werden die Pänz da keinen allzugrossen bleibenden Schaden davontragen.
    140 Kinder in einer Gruppe kann ich mir auch nur schwerlich vorstellen.
    zu den Lohnforderungen möchte ich noch sagen: auch da kann man sich vorher informieren was man/frau denn so verdienen kann. zudem steht es doch jedem frei sich einen besser bezahlten Beruf zu suchen, oder?
    klar möchte jeder mehr Geld verdienen, aber am besten mit weniger Arbeit, oder wie war das?

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